Rutschte in den Kader für das Spiel in Essen: Maximilian Wolfram (li.). Doch wie entscheidet sich 1860-Coach Patrick Glöckner für den Heim-Auftakt gegen Osnabrück? © Dünhölt/Imago
München – Der kurze Schreckmoment war schnell überwunden: Nach seiner Trainingspause am Montag kehrte Kevin Volland am Dienstag wieder auf den Platz zurück bei den Löwen. Keeper Thomas Dähne brach zwar am Mittwoch die Trainingseinheit ab, etwas Ernsteres ist jedoch nicht zu befürchten. Heißt zum einen: Alle Mann an Bord für den Heim-Auftakt gegen Osnabrück (Samstag, 14.03 Uhr). Heißt aber auch: 1860-Coach Patrick Glöckner muss wiederholt mehrere Profis auf die Tribüne verbannen.
In Essen (1:1) traf es unter anderem Philipp Maier, Soichiro Kozuki oder Morris Schröter – drei Namen, die vor nicht allzu langer Zeit zum Stammpersonal bei Sechzig zählten. Statt des flinken Kozuki brachte Glöckner in den Schlussminuten Maximilian Wolfram und lieferte die Begründung dafür gleich mit: „Ich musste mich in Essen zwischen Wolfram, Kozuki und Schröter entscheiden. Letztlich habe ich Wolfram gewählt, weil er statistisch gesehen die meisten Tore nach Einwechslungen macht (letzte Saison vier Jokertreffer; Red.) und lange Einwürfe kann, mit denen wir gefährlich werden können.“ Das also wäre die Erklärung für die Kaderstruktur in Essen – doch wie sieht es im Heimspiel gegen Osnabrück aus?
„Klar ist: Startformation und Kader werden sich möglicherweise verändern.“ Stellten sich in den letzten Jahren die 20 Mann für das Spieltags-Aufgebot oft von allein auf, dürften vor Glöckner und seinem Trainerteam nun wieder einige harte Entscheidungen liegen. „Die Kaderbesetzung ist so kompliziert“, erklärt der 48-Jährige.
Die U23-Regel – vier Spieler im U23-Alter sind verpflichtend im Kader – macht es dem grübelnden Löwen-Coach dabei nicht leichter. Sean Dulic ist gesetzt, bereitete in Essen das 1:1 durch Florian Niederlechner vor. Die drei anderen Youngsters, Paul Bachmann, Clemens Lippmann und Emre Erdogan, kamen nicht zum Einsatz. „Sie sind gut für ihr Alter, aber es fehlt schon noch etwas. Ein Lamine Yamal, der sofort durchstartet, hat nicht jeder.“
Und dennoch mussten anstelle der Nachwuchs-Löwen arrivierte Kräfte in München bleiben. Glöckner teilte den Betroffenen seine Entscheidung vor der Abfahrt nach Essen mit. Die Reaktion? „Sie zeigten Verständnis. Ich habe ihnen gesagt: `malt mir doch selbst einmal den Kader auf. ` Dann haben sie gemerkt: Ist der eine Härtefall weg, gibt es zwei andere.“ Diese Gespräche seien unschön, aber unumgänglich in seinem Beruf: „Wir sind hier im Profigeschäft, es gilt das Leistungsprinzip. Es geht immer darum, wie man der Mannschaft am besten helfen kann. Ich kann nicht der gute Onkel für alle sein, es geht um Ergebnisse.“ Klare Ansagen in München-Giesing.MARCO BLANCO UCLES