NACHRUF

Er stand für Privatfernsehen ohne Krawall

von Redaktion

Ulli Potofski war seit den 80er-Jahren ein bekanntes deutsches TV-Gesicht

Pionier der Privaten: Potofski mit Günter Netzer 1988 bei RTL. © imago

München – Am Donnerstag vergangener Woche ging Ulli Potofski noch einmal auf Sendung. „Ich melde mich aus meinem Krankenhaus“, sagte er. Podcast war sein Medium geworden in den letzten Jahren, in „Herz, Seele, Ball“ kommentierte er immer für ein paar Minuten das aktuelle Sportgeschehen. Er sinnierte über den Tod von Laura Dahlmeier, „eine unfassbare Tragödie“. Warum zieht es die Menschen in die Berge und zu den Gefahren? Wegen des Gefühls der Freiheit, so glaube er, wegen des Sichts auf die Dinge von oben. „Ruhe in Frieden, Laura Dahlmeier“, schloss er seinen Vortrag. Die letzten Worte gelten nun ihm selbst. Am Sonntag starb der bekannte Sportreporter Ulli Potofski im Alter von 73 Jahren. Er war schon länger krank gewesen, im Podcast vertrat ihn Christian Sprenger, ehemaliger Sky-Moderator, der für Potofski, als dieser vor zwei Monaten absehbar todgeweiht ins Krankenhaus einrückte, Videogrüße alter Wegbegleiter einsammelte.

„Menschlich und fair“ solle es zugehen, das war Potofskis Podcast-Motto. Und so agierte er während seiner gesamten journalistischen Laufbahn. Er zeigte, dass Privatfernsehen nicht krawallig sein muss. Bekannt wurde er durch „Anpfiff“, die Fußballshow von RTL. 1988 hatten die Luxemburger, die noch gar nicht alle deutschen Haushalte erreichten, erstmals Bundesligarechte erworben, die Sendung dazu dauerte drei Stunden, Günter Netzer war der (damals ziemlich langweilige) Sidekick des wuschelköpfigen Potofski.

Im Leben vor dem Sport war Ulli Potofski Puppenspieler und unter dem Pseudonym Ulli Mario Schlagersänger. Nach dem Ende von „Anpfiff“ kamen viele Medien-Jobs bei RTL, Sky, im Radio. Vor neun Jahren gab er bei „Let‘s Dance“ den etwas ungelenken Tanzbären. Gemessen an der Performance hielt er sich lange. Man mochte ihn eben. GÜNTER KLEIN

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