Herbert Hainer ist seit dem 15. November 2019 Präsident des FC Bayern und führt seitdem auch den Aufsichtsrat der FC Bayern München AG an. Als oberster Vertreter des mächtigen Gremiums ist er unter anderem für die Bestellung und Abberufung des Vorstands zuständig – und zwar federführend. Und hier hatte Hainer in seiner knapp sechsjährigen Amtszeit alle Hände voll zu tun: Die Vorstandssessel waren in der jüngeren Vergangenheit nicht weniger heiß als der Trainerstuhl in München.
In Karl-Heinz Rummenigge (CEO), Oliver Kahn (CEO), Jan-Christian Dreesen (CEO), Jörg Wacker (Vorstand Internationalisierung), Andreas Jung (Vorstand Marketing), Hasan Salihamidzic (Vorstand Sport), Max Eberl (Vorstand Sport) und jetzt Michael Diederich (Vorstand Finanzen) hatte Hainer insgesamt acht Vorstände unter sich – und davon sind jetzt noch zwei (Dreesen und Eberl) übrig geblieben. Denn Diederich wird, wie unsere Zeitung am Mittwoch enthüllte, in Zukunft wieder einen lukrativen Posten im Bankwesen bekleiden anstatt beim FC Bayern mit Transfer- und Sponsoring-Millionen zu jonglieren.
Kontinuität auf höchster Management-Ebene sieht anders aus – und dass mal wieder ein Bosse-Beben den Branchenprimus erschüttert, spricht auch Bände. Es zieht sich durch, was schon in den vergangenen Jahren regelmäßig Unruhe gebracht hat: Seit der Ära Uli Hoeneß/Karl-Heinz Rummenigge ist der Verein auf der Suche nach der optimalen Vorstandsbesetzung und steht nun mal wieder vor einer gravierenden Umstrukturierung. In Zeiten der immer schwierigeren Marktlage in Konkurrenz zur mächtigen Premier League und vor allem mit Blick auf das schmelzende Festgeldkonto ist das keine gute Ausgangslage.
Immerhin: Von diesem Manko profitiert ausgerechnet Max Eberl, über dessen verfrühten Abschied lange spekuliert worden war. Auch die jüngsten Aussagen von Dreesen lassen darauf schließen, dass der Sportvorstand nach dem bevorstehenden Abgang von Diederich wieder fest(er) im Sattel sitzt. Kaum vorstellbar, dass man Eberl angesichts des dezimierten Vorstands kurz vor Saisonstart vom bayerischen Hof jagt. Aber der FC Bayern ist – das lehrt die Erfahrung – immer für eine Überraschung gut.