Kein Bock mehr auf Bayern

von Redaktion

Finanzvorstand Diederich geht – und löst Bosse-Beben aus

Gefordert: Aufsichtsratsboss Hainer. © Imago

Servus! Diederich (M.) mit Eberl und Dreesen. © Imago

München – Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzchef des FC Bayern feuerte Michael Diederich in den vergangenen Monaten aus allen Rohren: Beinahe wöchentlich verkündete der deutsche Rekordmeister neue, lukrative Partnerschaften. So wurde am Donnerstagmorgen der nächste Sponsoren-Hammer verkündet: Die Fluggesellschaft Emirates und die Münchner haben einen langfristigen Vertrag bis zum Sommer 2032 geschlossen.

„Der FC Bayern braucht für die Umsetzung seiner sportlichen Ziele auch wirtschaftliche Planungssicherheit, die Emirates passen also ideal in die Partnerfamilie unseres Vereins“, wird Diederich in der entsprechenden Mitteilung zitiert. Alleine im Juli wurden mit Videospiel-Entwickler EA Sports, Pharmaunternehmen Doppelherz, Sportwettenanbieter Betano und der meine Volksbank Raiffeisenbank eG vier weitere Sponsoren-Deals verkündet.

In Zukunft können die Münchner jedoch nicht mehr auf das Netzwerk des Finanzexperten setzen. Nach Informationen unserer Zeitung werden Diederich und die Bayern ihre Zusammenarbeit zeitnah beenden – obwohl der Vertrag des 59-Jährigen ursprünglich bis zum 30. Juni 2026 datiert war. Stattdessen kehrt der langjährige Vorstandsvorsitzende der Unicredit Bank wieder in den Finanzsektor zurück.

Diese Entscheidung ist vor allem für Herbert Hainer in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender ein Schlag ins Gesicht. Immerhin war es der Präsident, der Diederich den Vorstandsposten an der Säbener Straße schmackhaft gemacht hatte und sich diesen Transfer gerne auf die eigene Fahne schreiben ließ. Wie unsere Zeitung erfuhr, hätte der FC Bayern gerne mit seinem Finanzchef verlängert. Entsprechend überrascht waren die Entscheidungsträger, als ihnen Diederich offenbarte, dass er ein lukratives Angebot aus dem Bankwesen vorliegen hätte, das er voraussichtlich auch annehmen werde. Die Entscheidung ist erst in den vergangenen Wochen gereift, jetzt soll es aber schnell gehen.

So endet die Zusammenarbeit, die sich beide Parteien von Beginn an anders vorgestellt hatten: Diederich war ursprünglich angeheuert worden, um den scheidenden Jan-Christian Dreesen als Finanzvorstand zu beerben – als dieser allerdings nach dem Rauswurf von Oliver Kahn zum CEO ernannt wurde, war sein Vorgänger plötzlich sein Vorgesetzter. Keine einfache Situation für Diederich, der als Visionär auch mal ungemütliche Wahrheiten aussprach. Was bei den alteingesessenen Kräften freilich nicht durchweg gut ankam.

Nun ist Hainer bei der Suche nach einem Nachfolger gefordert. Wenn der Aufsichtsrat am 25. August bei seiner turnusgemäßen Sitzung zusammenkommt, wird die Nachfolge weit oben auf der Agenda stehen. Mögliche Namen wie die der Ex-Vorstände Jörg Wacker und Andreas Jung geistern bereits durch die Flure an der Säbener Straße. Bis es so weit ist, wird sich CEO Jan-Christian Dreesen um die Aufgabengebiete von Diederich kümmern. Nicht umsonst wird der Vorstandschef künftig auch den Platz von Diederich im DFL-Präsidium übernehmen. Es ist die nächste Rolle rückwärts, denn: Diederich hatte diese Rolle erst im November 2024 von Dreesen übernommen. M. BONKE, H. RAIF, P. KESSLER

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