Der Laila Peak im Krakrakorum-Gebirge in Pakistan, auf dem Laura Dahlmeier ums Leben kam. © Imago
Laura Dahlmeier verunglückte vor einer Woche tödlich nach einem Steinschlag. © Michael Kappeler/dpa
Ein Denkmal für verstorbene Bergsteiger auf der Mount-Everest-Trekkingroute im Sagarmatha National Park. © IMAGO/Zoonar.com/Tolo
München – Auch gut eine Woche nach dem tödlichen Unfall der Ex-Biathletin Laura Dahlmeier (†32) am 6.096 Meter hohen Laila-Peak in Pakistan, ist noch keine Bergung des Leichnams der verstorbenen Garmisch-Partenkirchenerin abzusehen. Die zweifache Olympiasiegerin von Pyeongchang 2018 hatte nach Angaben ihres Managements verfügt, dass im Fall ihres Todes ihr Leichnam im Berg bleiben solle, falls sich Helfer bei der Bergung in Lebensgefahr begeben würden. Ob eine spätere Bergung erfolgen soll, war zunächst offen geblieben, doch die Zeit drängt: Denn rund um den Laila Peak setzen ab Anfang August Schneefälle ein. In Kombination mit wechselhaften Winden wird jeder Hubschrauber-Einsatz zur Lebensgefahr. Stand jetzt ist keine spätere Bergung geplant.
Während etwa der Mount Everest mit seinen lebensfeindlichen Bedingungen für viele Bergsteiger zum Grab geworden ist, werden in den Alpen Tote in der Regel geborgen. Hierzulande müsse jeder Bergtote geborgen werden, sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd in Rosenheim. Bestattungsgesetz und -verordnung lieferten die rechtlichen Vorgaben, die die Polizei umsetzen müsse. Tödlich verunglückte Wanderer oder Kletterer auf dem Berg zurückzulassen, sei nicht vorgesehen.
Am Mount Everest im nepalesisch-chinesischen Grenzgebiet schlängeln sich jede Saison Abenteurer in Richtung Gipfel. Wie viele Menschen beim Versuch, den mit 8.848 Metern höchsten Berg der Welt zu bezwingen, gestorben sind, lässt sich nicht sicher sagen. Die Organisation Himalayan Database geht von rund 340 Todesfällen zwischen 1921 und 2024 aus. Am zweithöchsten Berg, dem 8.611 Meter hohen K2 im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China, sind es der dortigen Tourismusbehörde zufolge rund 90 Tote seit den 1930er Jahren. Etwa die Hälfte der Everest-Toten dürfte Schätzungen zufolge noch auf dem Berg liegen – weil sie nicht gefunden wurden oder weil ihre Bergung schlichtweg unmöglich ist. Das Schmelzen von Eis und Schnee ließ in den vergangenen Jahren einige Leichen wieder sichtbar werden. Manche Tote bleiben über Jahre und Jahrzehnte liegen, teils in Sichtweite der Routen. Einzelne sind dort quasi zu Wegmarken geworden, haben Namen bekommen – „Green Boots“ etwa, ein Bergsteiger mit grünen Stiefeln. Er wurde Berichten zufolge – wie auch sterbliche Überreste anderer Opfer – inzwischen etwas abseits der Kletterroute gebracht.
Die Bergung aus höchsten Höhen, aus Regionen, in denen die Luft extrem dünn wird, aus der sogenannten „Todeszone“ gar, ist für Retter riskant. Die Körper in niedrigere Regionen zu transportieren, sei schwierig, heißt es aus Sherpa-Kreisen. Das gelte insbesondere für Leichname, die sich schon länger auf dem Berg befänden. Diese seien gefroren und somit schwerer. Für einen Toten würden vier bis fünf Träger benötigt.
Im Juni 2024 berichtete die Zeitung „The Himalayan Times“ von einer Säuberungsaktion auf mehreren Achttausendern im Himalaya. Dabei seien nicht nur elf Tonnen Müll ins Tal gebracht worden – sondern auch fünf Tote. Nicht nur die extremen Bedingungen erschweren die Bergung. Die Maßnahmen kosten viel Geld. Der Transport einer Leiche vom Mount Everest könne bis zu 100.000 Dollar kosten, sagt Mingma Sherpa, Chef des Expeditionsveranstalters Seven Summit Treks. Falls der Tote nahe dem Gipfel liege, koste es sogar noch mehr. Entsprechend geringer fielen die Kosten aus, je tiefer sich sterbliche Überreste befänden. In den meisten Fällen müssten die Familien der Toten die Bergungskosten tragen, heißt es aus Kreisen der Bergführer und Reiseveranstalter. Wegen der hohen Kosten oder weil es die Kletterer selbst so gewünscht haben, blieben Leichen auf dem Berg liegen.