ZUM TAGE

Affront gegen Mats Hummels

von Redaktion

Fußball und Geschwindigkeit

Auslaufen – ein klassischer Begriff des Fußballs. Umriss die sehr lockere Trainingseinheit am Tag nach einem Spiel. Der klassische Kriechgang ist mittlerweile abgeschafft, Oliver Schmidtlein, einst Fitnesstrainer der Nationalmannschaft, nannte ihn ein „schlechtes Bewegungsmuster“, weil man sich einen Trott angewöhne, den man nicht brauche. Mehmet Scholl übrigens, das alte Lästermaul, beschrieb die gedämpfte Art der Fortbewegung, die sich der damalige Teamkollegen Michael Ballack zu eigen gemacht hatte, als „Stehen mit Anheben der Beine“.

Eine Kategorie, die in der neuen Auflistung der Deutschen Fußball Liga leider fehlt. Diese hat zum Saisonbeginn die auf dem Spielfeld erzielten Geschwindigkeiten, die dank Chip- und sonstiger Technologie genau erfasst werden können, neu eingeteilt. Stehen – 0 bis 1 km/h. Gehen – 1 bis 7 km/h. Joggen – 7 – 15 km/h. Rennen – 15 bis 20 km/h. Schnelles Rennen: 20 bis 25 km/h. Sprinten – über 25 km/h.

Früher war Geschwindigkeit kein Thema im Fußball. Irgendwie waren alle langsam in den Anfangszeiten der Bundesliga. Uli Hoeneß war der Erste, bei dem man sagte: Der ist aber schnell. Man war aber mangels Technologie nicht in der Lage, eine exakte Geschwindigkeit zu erheben. Dafür bezog man sich auf vom Spieler selbst angegebene, aber nicht unabhängig überprüfte Leistungen von den Bundesjugendspielen. „Läuft die 100 Meter in 11,0 Sekunden“. Wobei das ja auch ziemlicher Humbug war: Kein Fußballer musste jemals 100 Meter sprinten. 30 Meter in vollem Tempo gelten schon als Langstrecke.

Das Bewusstsein für den Wert eine schnellen Antritts stieg mit den Jahr(zehnt)en. Bei der WM 2010 in Südafrika nannte Bundestrainer Jogi Löw den Fußball „eine Seriensprintsportart“, ein ganz feiner Begriff. Längst achtet man auch auf diesen Aspekt, und im Fernsehen lässt am Samstagabend der Sky-Moderator Wolff Fuss den Sachverständigen Lothar Matthäus immer tippen, wer am flottesten unterwegs gewesen war.

Zur detaillierten DFL-Einstufung der Tempi möchten wir noch anmerken. 1 km/h – das ist die Geschwindigkeit eines Spielers, der bei knapper Führung seiner Mannschaft ausgewechselt wird, wenn er sich vom Mittelkreis zur Seitenlinie begibt. Dass 15 km/h noch unter Joggen fällt, dem möchten wir widersprechen. 15 km/h entsprechen 4 Minuten auf den Kilometer – und das hat nichts Gemütliches mehr. Daher: Protest!

In der alten DFL-Skala begann der Sprint außerdem schon bei 24 km/h, jetzt sind 25 der Schwellenwert. Musste das sein? So jedenfalls bewegt man Mats Hummels nicht zu einem Comeback in der Bundesliga.

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