Einschwören für den großen Coup

von Redaktion

Malaga, Doncic, Jokic: Der Plan der deutschen Basketballer vor der EM

Bundestrainer Alex Mumbru (rechts) steht vor seinem ersten großen Turnier mit den deutschen Basketballern. © Instagram

Malaga – In einer Wohlfühloase an der Costa del Sol ließ Alex Mumbru seine Basketball-Stars um Kapitän Dennis Schröder schwitzen und leiden. Der neue Bundestrainer hat die bisher üblichen Lehrgänge in München oder Bonn kurzerhand ins sonnige Andalusien verlegt und im Camp in Malaga über eine Woche lang den sportlichen Schliff für einen vielversprechenden Europameisterschafts-Sommer vorgenommen. „Die Spieler geben hier alles und gehen an ihre Grenzen“, sagte der Bundestrainer.

Das Ziel für die Weltmeister von 2023 ist deutlich formuliert: Die dritte Medaille in vier Jahren soll her, im Idealfall zwei Jahre nach WM-Gold auch der Triumph bei der Europameisterschaft (27. August bis 14. September). „Ich habe großen Respekt vor der Vergangenheit, aber in der Vergangenheit haben wir nicht für die Zukunft gewonnen“, sagte der Katalane. Mumbru, als Spieler Welt- und Europameister, tritt in die großen Fußstapfen von Weltmeister-Trainer Gordon Herbert.

Der doppelte Test gegen Slowenien und NBA-Star Luka Doncic am Freitag (20.15 Uhr/MagentaSport) in Ljubljana und am Sonntag (17.30 Uhr) in Mannheim dürfte ein erster echter Gradmesser sein. Neben der individuellen Klasse, die neben Schröder vor allem NBA-Jungstar Franz Wagner mitbringt, setzt das Nationalteam besonders auf den Teamgeist der vergangenen Jahren.

„Hier kommt man her, weil man Bock drauf hat und nicht, weil man einen Vertrag unterschrieben hat. Das macht vieles aus. Man kommt aus den richtigen Gründen her. Die Chemie ist ein großer Teil“, sagte der 23 Jahre alte Wagner. Der Flügelspieler der Orlando Magic ist in der NBA zum Großverdiener geworden – schnürt aber trotzdem den vierten aufeinanderfolgenden Sommer die Schuhe für das Nationalteam. Bis zur EM mit Vorrunde in Tampere in Finnland und Endrunde im lettischen Riga sind es noch knapp drei Wochen. Bislang hat Mumbru bei den Spielern einen positiven Eindruck hinterlassen. „Ich kann nur Positives über den menschlichen Austausch sagen. Es war einfach angenehm und auch ehrlich. Wir sind sehr gut im Austausch. Er kreiert eine gute Atmosphäre“, berichtete Franz Wagner. Mumbru spricht bislang zwar kein Deutsch und versteht – anders als sein kanadischer Vorgänger Herbert – auch wenig. Die Fachsprache in Kabine und auf dem Parkett ist aber ohnehin Englisch. Mumbru punktet stattdessen mit seiner Vita als ehemaliger Profi, der Spaniens Nationalteam an der Seite von NBA-Größe Pau Gasol zu bleibenden Erfolgen führte.

„Das ist schon ein anderes Gefühl, wenn man weiß, dass der Trainer mal Spieler war – und auf relativ hohem Niveau gespielt hat. Ich glaube schon, dass es einen Unterschied macht“, beschrieb Wagner. Doch die Bewährungsprobe als Trainer steht erst noch aus. Bislang führte Mumbru Deutschland nur durch die Pflichtübung in der Qualifikation – und bereitete ansonsten bei den Bundesliga-Clubs und den NBA-Legionären den Sommer vor. Nach dem Slowenien-Doppelpack warten weitere Härtetests beim Supercup mit Serbiens Starspieler Nikola Jokic in München sowie zwei Vorbereitungsspielen gegen Mumbrus Spanier. Am 27. August geht die EM mit einem Duell gegen Außenseiter Montenegro los. „Wir gehen mit den höchsten Ambitionen hinein“, kündigte Führungsspieler Johannes Voigtmann an.

Das Team ist dem Kern der EM-Bronzegewinner von 2022 ähnlich – aus dem Weltmeisterteam von Manila fehlt vor allem Moritz Wagner, der einen Kreuzbandriss auskuriert. Ein Jahr nach Platz vier bei Olympia sieht Mumbru nicht allzu viel Grund für einen radikalen Umbruch: „Wenn etwas schlecht war, änderst du es. Wenn alles gut war, änderst du vielleicht nicht zu viel.“ Neben Mo Wagner muss Mumbru auch auf NBA-Champion Isaiah Hartenstein verzichten, der nach einer langen Saison in den USA abgesagt hat. Größte Verstärkung im Vergleich zum Gold-Sommer 2023 dürfte Tristan da Silva sein. Das 2,03 Meter große Talent spielt – wie die Wagner-Brüder – in Orlando und dürfte Mumbru rund um den Ring mehr Flexibilität bescheren. Für das nächste Basketball-Märchen. DPA

Artikel 1 von 11