Auf dem Rasen hängte er bereits seine Gegner ab. © Privat
Der Ort, der alles veränderte: Das Sportgelände der Geneva Highschool Vikings in Illinois. © Geneva Highschool
Sprinter Karl Gattinger (links) im Trikot der LG Stadtwerke München bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden. © Peters/Imago
München – Noch vor etwas mehr als zwei Jahren hat ihn keiner in Leichtathletik-Deutschland gekannt, jetzt ist Karl Gattinger Deutscher Meister. In der 4×100-Meter-Staffel der LG Stadtwerke München mit Maximilian Achhammer, Jonas Hügen und Fabian Olbert holte der 19-Jährige vor 10.000 Zuschauern im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion Gold und verpasste im 200-Meter-Finale mit dem vierten Rang nur knapp das Podium.
Eigentlich spielte Gattinger Fußball bei der FT München-Gern, ein Auslandsjahr in den USA brachte ihn dann aber zur Leichtathletik. „Im zweiten Semester musste ich statt Fußball eine andere Sportart wählen. Ich habe mich für Leichtathletik angemeldet und die Ergebnisse waren schon ganz gut.” Als schnellster Läufer der Geneva Highschool vor den Toren Chicagos, trug der damals 17-Jährige dazu bei, dass sich die „Vikings” für die State-Championships qualifizieren konnten. „Das war ein großer Erfolg für die Schule”, erinnert sich Gattinger. „Als Austauschschüler wurde man da überall sehr nett empfangen und behandelt. Wenn es sportlich auch noch so gut läuft, ist das dann schon eine sehr schöne Erfahrung. Auch der Schulleiter kam dann persönlich zu mir und hat mir vor den ganzen 2000 Schülern gratuliert.”
Zurück in Deutschland lief der Abiturient dann gleich seine erste bayerische Meisterschaft: „Ich hatte überhaupt kein Leichtathletik-Equipment hier, dann hat mich meine Mutter noch schnell wo angemeldet, dass ich startberechtigt war und habe mit einem Trainer mal eine Starteinheit gemacht. Das war die komplette Vorbereitung”, erzählt Gattinger, dem auf Anhieb der Bayerische U20-Titel über 100 und 200 Meter gelang. „Man sieht nur, dass die Zeit, mit der ich gemeldet war, irgendwo in Amerika entstanden ist, und alle dachten sich nur: Wer ist das? Ich meine, mich kannte niemand und ich kannte hier auch niemanden“, erzählt Gattinger.
Fünf- bis sechsmal die Woche trainiert er mittlerweile in der Werner-von-Linde-Halle, direkt hinter dem Münchner Olympiastadion, musste seine alte Liebe Fußball aufgrund des Zeitaufwands an den Nagel hängen, fühlt sich aber dennoch pudelwohl: „Die Trainingsgruppe ist einfach wahnsinnig witzig, und weil man im Leistungssport viel auf das Sozialleben verzichtet, ist das Umfeld umso wichtiger für mich.” Die Sommerferien verbringt Gattinger in Tansania, auf einen Studiengang hat er sich allerdings noch nicht festgelegt. „Geografie und Soziologie stehen im Moment zur Auswahl. Ich werde mich im kommenden Jahr auf den Sport fokussieren und gleichzeitig herausfinden, was ich dann in der nahen Zukunft machen werde”, blickt er voraus. Die Norm für den Bundeskader des Deutschen Leichtathletik-Verbands hat der aufstrebende Sprinter erfüllt und darf somit ab kommender Saison den Adler auf der Brust tragen – Karl Gattinger erwartet wieder einmal ein aufregendes Kapitel seiner Karriere.MARKO ALEKSIC