Todesfall überschattet World Games

von Redaktion

Italienischer Orientierungsläufer ein Opfer der extremen Bedingungen?

Erfahrener Läufer: Mattia Debertolis. © Instagram

Chengdu – Als der GPS-Sender von Mattia Debertolis keine Bewegung mehr meldete, eilten sofort Rettungskräfte herbei. Die Helfer fanden den Orientierungsläufer bewusstlos am Boden liegend vor, Debertolis wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht. Vier Tage später folgte nun die traurige Nachricht: Der Italiener ist gestorben, über den bislang so fröhlichen 12. World Games im chinesischen Chengdu liegt ein Schatten.

„Trotz sofortiger fachkundiger medizinischer Versorgung in einer der führenden medizinischen Einrichtungen Chinas ist der Athlet verstorben“, teilten die Organisatoren und der Orientierungslauf-Weltverband IOF am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Nähere Angaben zur Todesursache des 29-Jährigen wurden nicht gemacht.

Laut italienischen Medien ist nicht ausgeschlossen, dass Debertolis ohnmächtig wurde und mit dem Kopf gegen einen Felsen prallte. „Es war unglaublich heiß, und Mattia hätte niemals aufgegeben. Er war topfit“, wurde sein Vater Fabio zitiert. Die Mutter von Debertolis und sein Bruder waren am Samstag nach China geflogen und hatten bis zuletzt gehofft, dass alles noch gut enden würde – vergeblich.

Der Wettkampf, der etwa 50 Kilometer außerhalb des Zentrums von Chengdu durchgeführt wurde, fand bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von mehr als 30 Grad statt. Beim Orientierungslauf werden mit Hilfe von Karte und Kompass mehrere Kontrollpunkte der Reihe nach angelaufen.

„Heiß und feucht“ – der Lauf war fordernd

Debertolis war Bauingenieur und arbeitete an der Universität Stockholm an seiner Promotion. In der Orientierungslauf-Weltrangliste der Männer belegt er den 137. Platz, laut der IOF-Website nahm er seit 2014 an Wettkämpfen teil. An Erfahrung fehlte es ihm also nicht. Der Gewinner des Rennens, Riccardo Rancan aus der Schweiz, sprach nach seinem Sieg von ungewöhnlich „heißen und feuchten Bedingungen“.

Die sechs Kilometer lange Strecke in China umfasste 180 Höhenmeter und 20 Kontrollpunkte, die die Athleten erreichen mussten, Rancan benötigte gut 45 Minuten. „Ich kann die unermessliche Trauer über diesen tragischen Verlust nicht in Worte fassen. Unsere Gedanken sind bei allen, die um Mattia trauern“, sagte IOF-Präsident Tom Hollowell.

Bei den World Games messen sich bis Sonntag rund 5000 Sportlerinnen und Sportler in 34 Sportarten. Das Event ist die größte und wichtigste Bühne für die Athleten und Athletinnen des nicht-olympischen Sports. Gleichzeitig begann am Dienstag die WM im Mountainbike-Orientierungslauf in Polen, einer artverwandten Sportart, die auf dem radtouristischen Mehrkampf aus den 50er-Jahren basiert, aber weit weniger bekannt ist.

Dort werden die italienischen Teilnehmer nun mit Trauerflor an den Start gehen. Die Familie von Debertolis habe zuvor zugestimmt, dass die Sportler „im Gedenken an Mattia“ an den Wettkämpfen teilnehmen können, sagte Italiens Verbandspräsident Alfio Giomi.SID

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