Der Gigant der Lüfte

von Redaktion

Mondo Duplantis fliegt zum 13. Weltrekord – wie hoch geht es noch?

Freundin Desiré Inglander ist bei den wichtigsten Wettkämpfen immer dabei. © Imago

Und der nächste Weltrekord: Mondo Duplantis posiert neben der Bestmarke von 6,29 m. © Vasvari/DPA

„Da ist immer eine gewisse Leichtigkeit“: Mondo Duplantis setzt sich die Marke von 6,40 m als Ziel. © Imago

München – Und monatlich grüßt der Wunder-Schwede. In Budapest schraubte Armand „Mondo“ Duplantis am Dienstag den Stabhochsprung-Weltrekord auf 6,29 Meter. „Es fühlt sich an, als hätte ich den Himmel berührt“, sagte er. Der 13. Weltrekord für den 25-Jährigen. Für jede Bestmarke gibt es eine Prämie von 100 000 Dollar. Clever, wenn die Rekorde da zentimeterweise purzeln. Es wirkt schon wie ein perfekt einstudiertes Theaterstück, wenn Duplantis zum nächsten Höhenflug ansetzt – das Trommeln auf der Brust danach, der weit aufgerissene Mund, der Sprint in die Fankurve, der Kuss mit Freundin Desiré Inglander (eine schwedische Influencerin), die Pose vor der Anzeigetafel.

Am 17. September 2020 sprang Duplantis 6,15 Meter und verbesserte damit die 26 Jahre alte Spitzenhöhe von Sergej Bubka, die lange als unerreichbar galt. Auch für, Renaud Lavillenie, den französischen Olympiasieger von 2012. „Ich hatte das große Glück, damals in einem Wettkampf von Bubka mitzuspringen in Berlin bei einem Hallensportfest“, sagt Michael Kühnke. „Da habe ich mir gedacht: So einen wird es nie wieder geben. Der hat die Szenerie dermaßen beherrscht. Und dann kommt so ein Schwede.“ Kühnke trainierte Tim Lobinger bei seinem Hallen-WM-Titel 2003 und führte Björn Otto zu Olympia-Silber 2012. Seit Januar ist der 52-Jährige Leitender Bundestrainer Stabhochsprung beim Deutschen Leichtathletik Verband. Den Wettkampf in Budapest hat er live verfolgt: „Er ist ein Gigant. Ein Jahrhunderttalent. Da gehen die Superlative aus. Vor ein paar Jahren hat man noch gefragt: Wird er heute wieder sechs Meter springen? Heute fragt man sich: Weltrekord oder nicht?“

Der amerikanische Vater Greg war selbst Stabhochspringer, die schwedische Mutter Helena Siebenkämpferin. Im Garten wurde eine entsprechende Anlange für Mini-Mondo gebaut, der schon mit drei Jahren die ersten Sprünge wagte. Die Eltern erzählten einmal auf einem Symposium der Deutschen Sporthochschule in Köln, dass sie Duplantis nicht korrigierten. Er entwickelte seinen eigenen Sprung-Stil.

„Er ist der Einzige, der den Stab ein bisschen absenkt, bevor die Box erreicht wird. Alle anderen stechen direkt in die Box rein“, sagt Kühnke. „Duplantis lässt den Stab kurz vorher auf der Tartanbahn schon mal aufsetzen und rutscht dann in die Box rein.“ Dazu kommt eine enorme Anlaufgeschwindigkeit. Über 100 m besiegte er 400-m-Hürden-Weltrekordler Karsten Warholm – mit einer Zeit von 10,37 Sekunden. „Er kam schnell aus den Blöcken und ich konnte ihn nie einholen“, sagte Warholm. Keiner kommt an dieses Tempo mit Stab von Duplantis ran. „Er schafft es, diese enorme Anlaufgeschwindigkeit, in den Stab zu übertragen. Das Aufrollen, das Bewegen des Stabes, das sieht nie schwerfällig bei ihm aus. Da ist immer eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz“, sagt Kühnke.

Zu welchen Höhenflügen führt diese Eleganz noch? „Ich will so bald wie möglich 6,30 Meter springen, aber ich würde auch sehr gerne 6,40 Meter schaffen, das ist natürlich eine irre Grenze, aber es fühlt sich für mich im Bereich des Möglichen an“, sagt Duplantis selbst. Der Gigant der Lüfte hat noch nicht genug. NICO M. SCHMITZ

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