Nach einem seiner wenigen Kurzeinsätze in dieser Saison frohlockte der japanische Stürmer Kazuyoshi Miura, er sei wirklich froh, dass er der Mannschaft helfen und seinen Teil dazu beitragen konnte, den hart erkämpften 2:1-Sieg über die Zeit zu retten. Und auch das noch: „Jetzt möchte ich mein Spiel noch weiter verbessern.“ Man sollte wissen: Der Mann ist 58. Aber kriegt nie genug.
Natürlich ist Kazuyoshi Miura, den die ganze Welt nur als King Kazu kennt, der älteste Profispieler dieser Welt und aller anderen Welten, er geht in seine 40. Saison, hat in vier Dekaden gespielt, sein Debüt gab er 1986 beim FC Santos, dem Verein seines Idols Pelé. Sein Neffe war auch Fußballer, der ist 31, hat aber schon lange Schluss gemacht mit der Kickerei. Kann der King nicht verstehen.
Inzwischen spielt er auf Leihbasis bei Atletico Suzuka, vierte japanische Liga, zwei Einsätze, einer gar über 45 Minuten, da führte er sein Team aufs Feld, als Kapitän, versteht sich. In der Heimat ist er ein Volksheld, geliebt, hochverehrt, gottgleich. Schließlich war er mal einer der besten Japaner aller Zeiten, in 89 Länderspielen schoss er 55 Tore, war Asiens Fußballer des Jahres; tingelte aber auch durch die Welt, kickte in Genua, für Croatia Zagreb, den Sydney FC oder zuletzt für US Oliveirense in Portugal (2023/2024).
Selbst der große Makoto Hasebe, in Nippon ebenfalls eine Ikone mit Heldenstatus, spricht ehrfürchtig von seinem Freund. „Er ist mein Vorbild.“ Auch Hasebe hat länger gespielt als die meisten anderen Fußballer und auf einem bemerkenswert hohem Niveau, erst vor einem Jahr beendete er mit 40 seine Karriere in der Bundesliga. Die Eintracht-Legende kennt das Geheimrezept. „Er trinkt keinen Alkohol, isst gesund, trainiert viel, lässt sich jeden Tag zwei bis drei Stunden behandeln.“ Kann man so machen. Besser als jeder Jungbrunnen offenbar.
Bleibt ja nur die Frage, weshalb der King einfach immer weiterspielt. Ein Promo-Gag? Angst vor Bedeutungsverlust? Schwindendem Renommee? Unsinn. King Kazu hat einfach Bock zu kicken. In den Ruhestand kann er ja noch früh genug.