Der Orga-Sprint zum Marathon

von Redaktion

Besuch bei den neuen Veranstaltern – „Nummer 2 in Deutschland werden“

Die Geschäftsführer der Laufstatt GmbH: Anton Martic (l.) und Fabian Schäfer in ihrem Büro in Haidhausen. © Jens Hartmann

Zentraler Punkt Streckenplanung: Martic und Schäfer. Am 12. Oktober gilt‘s. © Jens Hartmann

München – Ein Detail verrät die Neuausrichtung. Am heurigen zweiten Oktober-Sonntag findet nicht, wie es von 2000 bis 2024 der Fall war, der „München Marathon“ statt, sondern der „Marathon München“. Es kam nach einem langen und kontroversen Vergabeverfahren der Stadt und Terminen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof zu einem Wechsel des Veranstalters. Der neue ist die Laufstatt Event gGmbH, sie hat den Zuschlag für 2025 und 26 erhalten.

Besuch bei den „Neuen“: Ihr Büro liegt in Haidhausen, in einer ruhigen Straße, ebenerdig, große Fenster. Drinnen: ebenfalls viel Glas, auf einer Scheibe klebt der Streckenplan für die 42,195 Kilometer, die am 12. Oktober gelaufen werden. Daneben: Zettelwirtschaft. Was erledigt und was noch zu tun ist. Man erkennt die Routine eines Betriebs, dessen Business die Planung von Großveranstaltungen ist. Draußen an der Fassade ist das Logo des Marathon weniger auffällig als ein anderes Schild. Das für „f-quadrat“, der Firma von Fabian Schäfer, einem der beiden Geschäftsführer der „Laufstatt“.

Die neue GmbH wurde erst gegründet, als das Vergabeverfahren für 2025 und 26 in Gang kam. Gemäß einem Stadtratsbeschluss wird die Durchführung des Marathon immer nur für zwei Jahre vergeben. Diesmal gab es neben dem etablierten Ausrichter, der München Marathon GmbH von Gernot Weigl, zwei weitere Interessenten.

Die „Laufstatt“ war der Überraschungskandidat. Im Wesentlichen besteht sie aus drei Leuten. Fabian Schäfer (48) hatte mit Sportereignissen insofern zu tun, als er an der Organisation des Fanfests rund ums Champions-League-Finale 2025 beteiligt war. Seine Hauptreferenzen sind die Rolle als stellvertretender Veranstaltungsleiter bei den Adele-Konzerten 2024 in Riem und seine Arbeit für die Internationale Automobil-Ausstellung. Über die IAA kannte er Laura Bauer von der Messe München – sie war früher mal für den München Marathon tätig gewesen. Wie auch Anton Martic (47), der PR-Fachmann, der einige Male für Gernot Weigl die Pressearbeit erledigt hatte. Schäfer und Martic hatten in der Jugend in Fürstenfeldbruck zusammen Handball gespielt. Nun sind sie Geschäftsführer der neuen GmbH, Laura Bauer wird die Renndirektorin.

Schäfer sagt, sein Interesse am Marathon sei vor knapp zwei Jahren geweckt worden. Da habe es „öffentlich Kritik an der Durchführung“ gegeben und er überlegt, „wie man das besser machen kann“. Was 2023 passiert war? Der Marathon fiel terminlich zusammen mit den Landtagswahlen, an einer für eine Querung eingerichteten Stelle kam es zu Missverständnissen bei der Streckenführung: Die Spitze der Männer lief 100 Meter zu weit, die etwas später eintreffenden Elite-Frauen Frauen bogen zu früh ab (und mussten Wegstrecke beim Zieleinlauf im Olympiastadion nachholen). In 25 Marathon-Jahren war es allerdings der einzige Lapsus (der dann auch noch im Rennen ausgeglichen wurde).

Und was unterscheidet den neuen vom alten Marathon? Die Strecke nicht gravierend. Schäfer hat überlegt, ob es möglich wäre, Nymphenburger Schloss, Stachus, Frauenkirche als Sehenswürdigkeiten zu integrieren, eine „Megastrecke“ zu schaffen – und davon Abstand genommen, um zusätzliche Sperrungen zu vermeiden. Die hätten letztlich den Erfolg im Bewerbungsverfahren verhindert.

Erst seit am 9. Juli das Verfahren endete, hat die Laufstatt Event gGmbH die Sicherheit, den Marathon ausrichten zu dürfen. „Von da an waren es drei Monate bis zum 12. Oktober. Wir haben einen Orga-Sprint vor uns“, sagt Anton Martic. Dass unter diesen Umständen 17000 Anmeldungen eingegangen sind (30 Prozent davon für die Königsstrecke Marathon), ist ein guter Wert. Doch es müssen auch Abstriche gemacht werden. Mit Nina Voelckel (Bestzeit: 2:29 Stunden) hat eine gute deutsche Läuferin zugesagt, doch ein international besetztes Elitefeld wie die vergangenen drei Jahre wird es nicht geben. Fabian Schäfer: „Da sind wir Opfer des juristischen Streits geworden, weil kein Spitzenläufer zusagt, wenn die Gefahr besteht, dass ein Gericht die Veranstaltung noch kippt.“ Wo ebenfalls Zurückhaltung spürbar ist: bei den Vereinen, die bislang Personal stellten. „Es gibt welche, die mithelfen, und welche, die nicht mehr mithelfen“, so Schäfer. Teile der Szene haben sich mit Weigl solidarisiert.

„Wir haben niemandem was weggenommen, wir haben uns beworben, und andere haben entschieden, dass wir es bekommen“, sagt Schäfer. Auch er weiß nicht, ob die Laufstatt einen Gewinn abwerfen wird (den sie dann für gemeinnützige Zwecke verwenden müsste). Schäfer räumt ein, dass seine Planungsfirma „f-quadrat“ für die Arbeit für den Marathon bezahlt wird und er und Martic Gehälter bekommen. Das Engagement für den Marathon sei keine „Liebhaberei. Wir sind eine Gesellschaft mit Gewinnerzielungsabsicht. Nur weil wir gemeinnützig sind, heißt das nicht, dass man uns keine Rechnung schickt“.

Schäfers Vision: „Wir wollen die Marathonveranstaltung Nummer zwei in Deutschland werden.“ Hinter Berlin. Allerdings: Bereits 2026 muss die Laufstatt sich neu bewerben. Schäfer: „Uns ist bewusst, dass auch uns der Stecker bei der nächsten Vergabe gezogen werden kann.“GÜNTER KLEIN

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