Gepatzt – und dann doch der Held

von Redaktion

Donnarumma-Nachfolger Chevalier hält Paris den Supercup

Erleichtert: Lucas Chevalier. © Imago

Udine – Gelöst und voller Freude streckte Lucas Chevalier die silberne Trophäe den Fans von Paris Saint-Germain entgegen – dabei hätte sich die neue Nummer eins des französischen Topklubs beinahe selbst um die berauschenden Glücksgefühle nach dem Gewinn des UEFA-Supercups gebracht. In der 48. Minute ließ der 40-Millionen-Euro-Neuzugang einen Kopfball des Argentiniers Cristian Romero durchrutschen und ermöglichte Tottenham Hotspur die 2:0-Führung, Paris drohte nach der geräuschvollen Demontage von Gianluigi Donnarumma die nächste Torwartdebatte.

Weil PSG die Gegentreffer von Romero und Micky van de Ven (39.) durch Kang-In Lee (85.) und Goncalo Ramos (90.+4) aber spät konterte, bekam Chevalier, erst am Samstag vom Ligue-1-Konkurrenten OSC Lille verpflichtet, seine zweite Chance im Elfmeterschießen – und diesmal lieferte er. Mit dem parierten Schuss von van de Ven avancierte Chevalier bei seinem PSG-Debüt doch noch zu einem der Matchwinner. Champions-League-Sieger Paris gewann den Krimi vom Punkt in Udine mit 4:3 gegen den Titelträger der Europa League.

„Das wirkt ein bisschen wie ein Drehbuch – er kommt rein und hat direkt ein Elfmeterschießen“, scherzte sein Mitspieler Ousmane Dembélé danach am Mikrofon von Canal+: „Für seinen Einstand ist das super, wir freuen uns.“

Wenig Freude dürfte am Mittwochabend Chevaliers Vorgänger Donnarumma empfunden haben – obwohl er offiziell weiterhin ein Spielers des Hauptstadtklubs ist, gehörte der 26-Jährige nicht zum Kader. Trainer Luis Enrique hatte zuvor erklärt, nach einem „anderen Typen von Torhüter“ gesucht zu haben – in Chevalier bekam er diesen, was für Donnarumma nach vier Jahren in Paris und dem Gewinn des Triples in der vergangenen Saison das Aus bedeutet. „Es ist meine Entscheidung, und der Verein unterstützt mich“, erklärte Trainer Luis Enrique.

Verständnis dafür brachte die Donnarumma-Seite nicht auf, im Gegenteil: Berater Enzo Raiola zeigte sich bei Sky „schockiert über PSG. Nach vier gemeinsamen Jahren zeigt der Verein null Respekt“, sagte er, bei Radio Sportiva sprach er gar von „Mobbing“. Donnarumma hatte zuvor bei Instagram zum Ausdruck gebracht, über die Entscheidung „enttäuscht und traurig“ zu sein.

In Paris besitzt der italienische Nationaltorhüter noch einen Vertrag bis zum kommenden Sommer, eine rascher Transfer wäre im Sinne des Klubs wie des Spielers. Laut Medienberichten ist Manchester City Topkandidat für eine Verpflichtung, eine grundsätzliche Einigung soll es bereits geben. SID

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