DFB-POKAL

Der ganz normale Wahnsinn

von Redaktion

Illertissen blamiert Klose, Cottbus furios, Bielefeld träumt wieder

Das nächste Pokalmärchen? Arminia Bielefeld bezwang am Freitagabend Werder Bremen. © Wedel/Imago

„Einer der schönsten Momente“: Yannick Grieß (l.) traf gegen den Hamburger SV. © Neis/Imago

Alle zu Alexander Sebald: Der Torwart musste spontan spielen, parierte einen Elfmeter und sicherte den Sieg. © Wieland/Imago

Clayton Irigoyen, Leihgabe von den Amateuren des Clubs, verwandelte den entscheidenden Elfmeter. © Seppano/Imago

München – Wenn der Fan gegen seinen Lieblingsverein trifft. Die schönsten Geschichten schreibt immer noch der DFB-Pokal. Die Schlaglichter zur 1. Runde.

Eine Leihgabe versenkt den Club

Als Clayton Irigoyen den letzten Elfmeter nervenstark verwandelt und sich beim Jubeln das Trikot vom Leib reißt, wird das kleine Vöhlin-Stadion in Illertissen zum Tollhaus. Was für ein Wahnsinn!

Ausgerechnet der im Sommer von der U23 des 1. FC Nürnberg gekommene Luxemburger Irigoyen (20) machte gegen die Profis des fränkischen Fußball-Zweitligisten den größten Pokaltag in der Geschichte des Regionalligisten perfekt. Alleine das war schon eine schöne Geschichte am Samstag.

Mit 6:5 im Elfmeterschießen triumphierte der Außenseiter. „Wir haben einen schönen Fußball-Nachmittag erlebt“, kommentierte Trainer Holger Bachthaler. Das war freilich stark untertrieben. Denn die 5000 Zuschauer, die den ausverkauften Dorfplatz säumten, hatten den puren Fußball-Wahnsinn erlebt. 2:0, 2:3, 3:3 und schließlich 6:5 im Elfmeterschießen hießen die Stationen aus FVI-Sicht in einem höchst turbulenten Spiel inklusive Gewitter-Unterbrechung. „Und der Fußball-Gott war im Elfmeterschießen auf unserer Seite“, jubelte Bachthaler.

Der schönste Tag von HSV-Fan Grieß

Der Fast-Pokal-Held Yannick Grieß vom FK Pirmasens hielt bei den Interviews ein blütenweißes HSV-Hemd in der Hand. Das Erinnerungsstück hatte der 29 Jahre alte Kapitän des Oberligisten nicht beim üblichen Trikottausch erhalten. „Das hat mir Stefan Kuntz eben überreicht, ganz förmlich. Das ist mir eine Riesenehre und eine Riesenfreude“, sagte Grieß sichtlich stolz und gerührt.

Es hatte sich vor dem DFB-Pokal-Erstrundenspiel bis zum Sportvorstand des Hamburger SV herumgesprochen, dass Grieß seit der Kindheit HSV-Fan ist. Als der Mittelfeldspieler in der 53. Minute zur 1:0-Führung für den krassen Außenseiter abstaubte, da schien Grieß ein Fußball-Märchen zu schreiben. Doch vor 10 000 Zuschauern im Sportpark Husterhöhe rettete Guilherme Ramos (90.+2) den Bundesliga-Aufsteiger in die Verlängerung. Ransford Königsdörffer erzielte dann das 2:1 (100.) gegen den eindrucksvollen Fünftligisten.

Ersatztorwart hält Cottbus den Sieg

Energie Cottbus wirft Zweitligist Hannover 96 aus dem DFB-Pokal und steht erstmals seit 2013 in der zweiten Runde des prestigeträchtigen Wettbewerbs. Der Fußball-Drittligist aus Brandenburg setzte sich gegen die Niedersachsen mit 1:0 (1:0) durch und beendete so seine zwölfjährige Durststrecke.

Tolcay Cigerci (12. Minute) brachte Energie in einer starken Anfangsphase in Führung. Cottbus‘ Ersatzkeeper Alexander Sebald (42.) parierte gegen Boris Tomiak einen Foulelfmeter und bewahrte den Vorsprung. Hannovers Benjamin Källman traf in der Nachspielzeit (90.+1) zwar ins Tor, hatte aber zuvor im Abseits gestanden.

Der Abend begann für Cottbus noch vor Anpfiff mit einer Hiobsbotschaft. Stammkeeper Elias Bethke verletzte sich beim Aufwärmen am Bein und verließ unter Tränen den Platz. Für ihn rückte Sebald in die Startelf und elektrisierte mit seiner Elfmeter-Parade die Lausitzer Fans. „Ich hoffe, dass wir aus diesem Tag heute, der absolut besonders ist für die ganze Region, Kraft mitnehmen können für die nächsten Spiele in der 3. Liga“, sagte der Mann der Stunde.

Die Bielefelder Alm bebt schon wieder

Nach dem souveränen Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals hat Freiburgs Trainer Julian Schuster eine klare Bitte für den nächsten Gegner. „Wenn ich einen Wunsch habe, dann nicht die Bielefelder“, scherzte der 40-Jährige nach dem 2:0-Sieg beim Regionalligisten Sportfreunde Lotte. Arminia Bielefelds neuer Pokalheld Isaiah Young war indes völlig überwältigt. „Das war auf jeden Fall ein geiler Moment, einer der besten meiner Karriere“, sagte der Flügelspieler. Nur wenige Minuten zuvor hatte er in der Nachspielzeit (90.+3) vor der eigenen Fankurve das Erstrundenmatch gegen Werder Bremen (1:0) entschieden – und lässt die Arminen vom nächsten Pokalmärchen träumen. Trainer Mitch Kniat freute sich „extrem“ für den eingewechselten Young. „Wir sind ihm sehr, sehr dankbar“, sagte der Erfolgscoach. Und sprach auch gleich eine Belohnung aus: Die Spieler bekämen zwei Tage frei – für Kniat gab es einen Döner.

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