Alle Augen auf Lipowitz

von Redaktion

Rad-Held soll auch bei der stark besetzten Deutschland Tour für Hype sorgen

Unzählige deutsche Fans feuerten ihren neuen Radsport-Helden in Frankreich an. Bei der Deutschland Tour will Lipowitz ihnen „etwas zurück geben“. © IMAGO/KALUT

Die Route über 735,4 Kilometer: Die Strecke von Essen nach Magdeburg kommt eher Klassiker-Fahrer und Sprinter entgegen. © Screen

Hunderte Menschen feiern Florian Lipowitz in seiner Heimatstadt Laichingen nach seinem großen Erfolg bei der Tour de France. © Bulling/dpa

Essen – Einen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Hype bei der Deutschland Tour erlebte Florian Lipowitz in vertrauter Umgebung. Bei einem festlichen Empfang in seiner Heimatstadt Laichingen (Baden-Württemberg) wurde der deutsche Radsport-Shootingstar am vergangenen Samstag gebührend gefeiert, Familie, Freunde und rund 1000 Fans ließen den Dritten der Tour de France hochleben.

„Es ist natürlich etwas Schönes, wenn man im Heimatort so empfangen wird“, sagte Lipowitz dem SWR. Auf dem Marktplatz trug sich der 24-Jährige ins Goldene Buch ein, geduldig stand Lipowitz für Fotos bereit und signierte ein ganzes Bündel Autogrammkarten. Das sei schon etwas Besonderes, wenngleich er eher der introvertierte Typ sei: „Aber ich denke, dass ich mit der Zeit mit der Rolle klarkomme.“

Wenn Lipowitz ab Mittwoch bei der Deutschland Tour seinen ersten großen Auftritt als Rennfahrer seit der Frankreich-Rundfahrt hat, muss der neue deutsche Radsport-Hoffnungsträger mit einem ähnlichen Andrang in den Etappenorten zwischen Essen und Magdeburg rechnen. Lipowitz, der bei seinem Tour-Debüt auf Anhieb auf Rang drei und das Podium fuhr, ist der große Star beim wichtigsten deutschen Etappenrennen.

„Für jeden deutschen Fahrer sind die Rennen in Deutschland etwas Besonderes“, sagte Lipowitz vor seinem Debüt bei der Deutschland Tour: „Für mich ist es in diesem Jahr noch einmal ganz besonders. Bei der Tour de France waren so viele deutsche Fans an der Strecke – da bin ich gespannt, was los ist.“

Alle Augen werden auf den Top-Fahrer des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe gerichtet sein, wenn er am Mittwoch auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen beim technisch anspruchsvollen 3,1 Kilometer langen Prolog auf die Strecke geht. Womöglich übernimmt er dank seiner Stärken im Zeitfahren sogar das Führungstrikot.

Doch der Allgäuer bremst die Erwartungen: „Als Training“ werde er das Rennen bestreiten. Die Deutschland Tour ist für ihn in erster Linie der Einstieg in den finalen Saisonblock mit Weltcup-Rennen in Kanada und Klassiker in Italien. Zudem kommt Lipowitz aus der über dreiwöchigen Tour-Pause. Der Abstand war dringend nötig. Körper und Geist brauchten nach den Strapazen eine Pause. Lipowitz verbrachte die Zeit in den Bergen und am Gardasee, unternahm Touren mit seiner Freundin Antonia Weeger, selbst eine erfolgreiche Radsportlerin. Auch die Linsen mit Spätzle seiner Mutter durften nicht fehlen. „Das ist mein Lieblingsgericht“, sagte Lipowitz.

Vermutlich ist die Deutschland Tour für den Bergspezialisten ohnehin nicht schwer genug. Auf der Strecke dürften eher die Klassiker-Spezialisten wie der belgische Star Wout van Aert oder die Sprinter wie der zweimalige Tour-Etappengewinner Jonathan Milan (Italien) zum Zug kommen. Seine Stärken im Hochgebirge kann Lipowitz auf dem insgesamt 735,4 km langen Kurs nicht ausspielen. „Deshalb genieße ich es einfach“, freut sich der Youngster.

Auch die Organisatoren freuen sich auf das deutsche Juwel. „Der Sport an sich braucht Idole. Und Radsport in Deutschland braucht halt auch dieses Idol, diese Figur“, sagt Geschäftsführer Matthias Pietsch vom Veranstalter ASO: „Wenn jetzt Lipo erfolgreich ist, der zieht natürlich auch junge Leute nach. Das merken wir zwar jetzt nicht gleich. Aber Ackermann, Bauhaus, die haben angefangen, weil sie – als sie klein waren – Ulle zugeschaut haben.“

Ausgeruht und frisch gestärkt nimmt Lipowitz nun neue Ziele in Angriff. Die Deutschland Tour ist dabei nur ein Zwischenschritt, auf dem er seinen Teamkollegen und Fans „etwas zurückgeben“ will.SID, DPA

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