Varfolomeev visiert die nächsten Medaillen an. © Schmidt/dpa
Rio de Janeiro/Frankfurt – Die härteste Übung des Jahres hat Darja Varfolomeev bereits hinter sich. Vor wenigen Wochen legte die erste deutsche Olympiasiegerin in der Rhythmischen Sportgymnastik die Prüfungen für den Realschulabschluss ab, für Varfolomeev endete eine wochenlange Lernerei, die „sehr viel Zeit eingenommen hat“, wie sie sagt. Jetzt, wo der Schulstress aus dem Kopf ist, will die 18-Jährige ab Mittwoch wieder abliefern.
Bei den Weltmeisterschaften in Rio de Janeiro ist Deutschlands Sportlerin des Jahres Titelverteidigerin in allen fünf Einzelwettbewerben – und Topfavoritin. Und das, obwohl ihre Vorbereitung massiv beeinträchtigt war.
Im vergangenen Jahr hatte Varfolomeev mit der Schule pausiert, ihre ganze Aufmerksamkeit galt den Olympischen Spielen. Nach dem Gold-Coup von Paris kehrte sie zurück ins Klassenzimmer und musste fortan mit einer komplizierten Doppelbelastung klarkommen. „Ich war sehr auf die Schule fokussiert und weniger als sonst auf das Training und die Wettkämpfe“, erzählt Varfolomeev, „das hat auch dazu beigetragen, dass ich in den Wettkämpfen nicht noch bessere Leistungen gezeigt habe“.
Und trotzdem wird die gebürtige Russin während der Prüfungsphase Europameisterin mit dem Band, im Mehrkampf holt sie Bronze. Sie selbst sah sich hier bei nur 40 Prozent. Rund zwei Monate später gewinnt sie fünf von fünf möglichen Goldmedaillen bei den deutschen Meisterschaften in Dresden. „Ich würde sagen, dass ich jetzt bei 90 Prozent bin“, sagt sie danach. „Es war für mich auf jeden Fall leichter, mich nur auf den Sport zu konzentrieren“, erklärt Varfolomeev mit Blick auf ihren Schulabschluss, „deswegen konnte ich auch so einen großen Schritt nach vorne machen“.
Bei der Weltmeisterschaft misst sie sich an ihren eigenen Erwartungen. Die seien nicht kleiner geworden: „Seit dem Olympiasieg will ich umso mehr zeigen, was wir trainiert haben“, sagt sie. Schon damals, mit 17 Jahren, hatte sie in ihrer Sportart bereits alles erreicht. Den Erwartungsdruck nimmt sie auf sich – ausblenden kann sie ihn zum Beispiel beim Schauen von Actionfilmen: Von der Fast & Furious-Reihe „habe ich jeden Film gesehen“, erzählt sie.
Klar, da sind die Erfolge, das Streben nach der Perfektion. „Aber manchmal bin ich immer noch ein kleines Kind“, sagt Varfolomeev: „Im Training kann es vorkommen, dass ich mich nicht zusammenreiße und mich für eine Stunde nicht konzentriere, sondern einfach nur Spaß habe und lache. Ich mag es, Blödsinn zu machen.“