Willkommens-Gruß der Whitecaps-Fans. © Screenshot
Früher sind wir nachts um drei für Muhammad Ali aufgestanden – und jetzt halt für Thomas Müller. Wortgewaltig waren (Ali, Thomas) und sind (Thomas) beide. Aber die Bildqualität bei der Apple-TV-Übertragung vom Müller-Debüt aus Vancouver ist dann doch deutlich besser als damals die verrauschten Satellitenbilder vom Größten aller Zeiten. Wobei man beim Zuschauen schnell lernt: Dem Raumdeute-Ali sind seine ü-Pünktchen verlorengegangen, er heißt jetzt „Tom-Äss Muller“.
Aber die Punkterl sind nicht weg, sie sind nur woanders – nämlich auf den neuen Fan-Schals, auf denen „Vancoüver“ steht. Und so sitzt man vor dem Fernseher, hat als Müller-Fan massiv Phantomschmerz, und kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Sogar die Videoschiris im Vancouver-Keller hat Apple live im Bild. Die Ex-Profis Keith Costigan und Maurice Edu kommentieren euphorisch, sie sind quasi der Wolf Foot und der Fritz from Turn and Taxis aus Kanada.
Und sie sind schon massiv dem Muller-Fieber anheimgefallen. „Thirteen Bundesliga-Titles“, sie zählen die ganze Litanei aus dem Lebenslauf auf – „er hat alles gemacht, nur noch nie für einen anderen Verein gespielt“. Das tut er dann in der 61. Minute, und schießt beinahe gleich ein Tor. „Ho ho ho“, jubeln die Kommentatoren. Ja is denn scho Christmas? War aber Abseits: „Wir haben einen Partypupser im Stadion, die Fahne ist oben.“
Danach tritt Tom-Äss zum TV-Interview an, mit bewährtem Müller-Schmäh und mit Kunstrasen-Granulat an der Backe. „Was erwarten Sie fürs nächste Spiel?“, erkundigt sich der Reporter. „Was würden Sie sagen?“, fragt Müller interessiert zurück. „Wir müssen gewinnen!“
Das war für die Müller-Vermisser der Phantomscherz zum Phantomschmerz.