Doppelspezialistin Siegemund wurde nicht gehört.
Jannik Sinner ist vor den US Open nicht fit. © Lyons/EPA
Reicht die Kraft für das Mixed-Turnier? Alexander Zverev musste im Halbfinale der Cincinnati Masters aufgeben. Nun steht der letzte Grand Slam des Jahres an, bei dem er nicht nur im Einzel antreten will. © IMAGO/Lipton, IMAGO/Hasenkopf
New York – Jannik Sinner konnte einfach nicht mehr, der Körper streikte. Mit Tränen in den Augen gab Italiens Tennisheld in der Hitze von Cincinnati auf, er fühle sich „einfach zu schlecht“, erklärte der viermalige Grand-Slam-Sieger nach dem Finale. Nach Alexander Zverev ist Sinner der nächste Star, der mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat.
Dass sich ausgerechnet Sinner und Zverev am Dienstag beim reformierten und viel diskutierten Mixed-Event bei den US Open in New York gegenüberstehen sollten, wirkte in diesem Zusammenhang wie ein schlechter Scherz. Geplant war es aber so – rund 24 Stunden nach Sinners Aufgabe gegen seinen Dauerrivalen Carlos Alcaraz.
Mit der Tschechin Katerina Siniakova sollte Sinner am Dienstagnachmittag (Ortszeit) auf Zverev und die Schweizerin Belinda Bencic treffen. Dazu kam es aber nicht. Der Weltranglistenerste sagte nur wenige Stunden vor dem geplanten Match seine Teilnahme ab. Eine offizielle Stellungnahme lag zunächst noch nicht vor. Demnach rücken Zverev und Bencic kampflos in die zweite Runde, die noch am selben Abend über die Bühne gehen sollte.
Der verantwortliche US-Tennisverband USTA wollte das Event attraktiver gestalten und hat es deshalb vorverlegt. An zwei Tagen soll der Gewinner ermittelt werden, die Sätze werden dafür gekürzt. Es soll ein Spektakel werden, das in der Szene seit Monaten für Wirbel sorgt. „Ein ernsthafter Wettbewerb“ werde „zu einem kurzen Showevent degradiert, dessen Zählsystem Gewinnen oder Verlieren eher zur Glückssache macht“, hatte Laura Siegemund vor Monaten im Tennismagazin gemault – und damit den Nerv vieler Doppel-Expertinnen und -Experten getroffen. Doch nicht nur der Modus bringt die US-Open-Mixed-Siegerin von 2016 auf die Palme, da sind auch noch die Nominierungskriterien:
Acht Startplätze wurden über die Einzel-Rangliste vergeben, acht über Wildcards. Für Doppel-Expertinnen wie Siegemund war unter diesen Umständen praktisch kein Platz – eine Wild Card wurde beispielsweise an die 45 Jahre alte Venus Williams vergeben, derzeit die Nummer 577 der Welt. All das sei „einfach so beschlossen“ worden, „ohne die betroffenen Spieler und Spielerinnen mit einzubeziehen“, hatte Siegemund damals moniert: „Jene Profis, für die der Mixed-Wettbewerb in erster Linie geschaffen ist, wurden einfach übergangen.“
Der Vorteil für die Organisatoren, die auch das Preisgeld drastisch erhöht haben, liegt indes auf der Hand. Deutlich größere Namen als gewöhnlich nehmen teil – neben Zverev haben sich unter anderem Novak Djokovic, Carlos Alcaraz, Jannik Sinner, Iga Swiatek, die mit Casper Ruud im Achtelfinale gewonnen hat, und Naomi Osaka (raus mit Mixed-Partner Gael Monfils) angekündigt – deutlich mehr Zuschauer werden für zusätzliche Einnahmen sorgen.
Dass Sinner seine Teilnahme kurzfristig absagen wird, galt als wahrscheinlich. Auch Zverev dürfte vor dem Start des Einzelwettbewerbs des letzten Grand Slam des Jahres (ab 24. August) noch ein paar Tage Pause benötigen. Die Termin-Hatz ist immens. Es stellt sich die Frage, ob gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für ein „Showturnier“ wie das Mixed-Event ist.
„Bei mir dreht sich alles“, hatte der Hamburger beim Halbfinal-Match gegen Alcaraz in Cincinnati einem Mediziner offenbart. Sinner erging es ähnlich, der 24-Jährige wagte aber bereits einen demonstrativen Blick nach vorne. „Im Moment ist Erholung das Wichtigste“, sagte der Weltranglistenerste.SID