Traumziel Draft: Oswald blieb die Aufnahme in die große Talenteziehung der NHL versagt. © IMAGO
Schon drei Jahre DEL: Veit Oswald. © Red Bull/City-Press
Die Saison 2024/25 endete früh: Oswald erlebte das schmerzhafte Viertelfinal-Aus gegen die Adler Mannheim mit. © red Bull/City-Press
München – Nächste Station Zell am See: Am Freitag (19.30 Uhr gegen Rögle BK aus Schweden) und Samstag tritt der EHC München beim Red-Bull-Salute-Turnier an. Im üppig bestückten Kader ist der Kampf um die Stammplätze im Gange. Mittendrin: Veit Oswald, der demnächst 21 wird. Auch in der Gruppe der U23-Akteure, von denen immer drei spielen sollen, hat sich der Wettbewerb verschärft.
Veit, es geht für Sie bereits in die vierte Saison bei den Profis. Ein kleiner Rückblick auf das, was bisher war.
Man kann schon stolz darauf sein, als junger Spieler in einer solchen Mannschaft wie München zu stehen. Hätte man mir das vor vier Jahren gesagt, hätte ich nicht gedacht, dass das wahr wird. Den Ehrgeiz, besser zu werden, will ich aber nicht verlieren.
Ihr zweites Jahr war furios, Sie wurden zum besten Rookie der DEL gewählt. Im dritten gelangen Ihnen statt elf nur zwei Tore. Es war schlechter, oder?
Sportlich gesehen schon. Ich bin nicht so reingekommen wie im Jahr davor. Doch mental bin ich an der Situation gewachsen.
Wir haben noch vor Augen, wie Sie vor einem Jahr nach der Eröffnung des SAP Garden mit dem Spiel gegen die Buffalo Sabres in der Kabine saßen, ganz erfüllt waren von dem Erlebnis. Sie sprachen von Ihrem Traum, der NHL. Gilt das noch?
Natürlich, das ist der Traum jedes jungen Spielers. Ich hatte voriges Jahr die Chance, im Camp der Toronto Maple Leafs dabei zu sein, das war eine Riesenehre und große Erfahrung, die ich mitgenommen habe. Ein Ziel bleibt es, in die NHL zu kommen, auch wenn ich nach dem Camp nicht gedraftet und dieses Jahr nicht eingeladen wurde.
Wojciech Stachowiak aus Ingolstadt und Joshua Samanski aus Straubing, beide deutsche Nationalspieler, wurden ebenfalls nicht gedraftet, bekommen mit 26 und 23 nun aber ihre Chance in der NHL, sie haben Verträge in Tampa Bay und Edmonton unterschrieben. Ist der Draft noch relevant?
Ich will den Draft nicht in Frage stellen. Es ist ein Privileg, gedraftet zu werden, vor allem im jungen Alter, da gehörst du einfach zu den Besten. Wenn du in der ersten Runde dabei bist, dann kriegst du auch über kurz oder lang deine Chance. Aber gedraftet zu sein, bedeutet auch, dass du auf ein Team festgelegt best und nur die Chance hast, dort zu spielen. Ungedraftet kann man das Aufsehen mehrerer Clubs auf sich ziehen – man hat mehr Optionen. Es ist Fluch und Segen. Es gibt keinen falschen Weg. Samanski und Stachowiak haben sich sehr gut entwickelt. Wenn der Heimatvereinen einem vertraut und auf einen baut, geht das.
Julian Lutz ist Ihr Jahrgang, spielte mit Ihnen in München, wurde in der zweiten Runde von Utah gedraftet, ist aber bislang nur bis ins Farmteam vorgedrungen. Tauschen Sie sich aus?
Er trainiert bei uns mit. Er hatte drüben ein durchwachsenes Jahr, aber er hat sich gehalten. Er ist ein wirklich guter Spieler, und wenn er in Amerika aufblüht, kann er es dort schaffen.
Im SAP Garden konnte man auch im Sommer trainieren. Wie hat sich das angefühlt, ständig in Betrieb zu sein?
Man denkt, als Eishockeyspieler braucht man mal Abstand vom Eis. Aber dieser Sommer war viel besser als der vorangegangene. Man konnte seit Juli ein, zwei Mal pro Woche aufs Eis, früher war es ein Camp von einer Woche in Salzburg. Es fühlt sich besser an.
Plus die Arbeit im athletischen Bereich.
Auf jeden Fall. Drei Wochen nach dem Ausscheiden im Viertelfinale haben wir schon wieder angefangen, und es ist gut vorangegangen.
Vorige Saison gab es im Kader drei U23-Spieler, da war jedem der Stammplatz gewiss. Jetzt gibt es neben Ihnen und Nikolaus Heigl noch Phillip Sinn, Philipp Krening und Rio Kaiser. Die Konkurrenzsituation hat sich verschärft.
Ich finde das sehr gut, auch wenn von jedem der Platz auf der Kippe steht. Man muss sich beweisen, festspielen. Wenn man sich durchsetzt, wird man mental stärker. Wenn ich ein Spiel mal nicht bestreiten darf, werde ich die Fehler auch definitiv bei mir suchen.
INTERVIEW: GÜNTER KLEIN