Per Leihe nach München? Bislang will Chelsea Christopher Nkunku (r.) lieber verkaufen. © IMAGO
München – Der FC Bayern hat eine neue Strategie auf dem Transfermarkt: leihen statt kaufen. Dazu riet Ehrenpräsident Uli Hoeneß Sportvorstand Max Eberl. Michael Reschke findet den angepassten Kurs sinnvoll – obwohl wenige Wochen zuvor noch große Summen für mögliche Star-Verpflichtungen wie Florian Wirtz oder Nick Woltemade zur Verfügung gestanden wären.
„Dass die Bayern bei Wirtz und Woltemade wirtschaftlich in die Vollen gehen wollten, war für total richtig. Da ist es schon fast eine Pflicht für den FCB sogar über einen wirtschaftlichen Grenzbereich hinauszugehen“, erklärt der frühere Technische Direktor des FC Bayern im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das bedeutet nicht im Umkehrschluss, dass man nun mit hohem wirtschaftlichen Invest weiter agieren muss, um sicherlich notwendige Offensivequaliät zu verpflichten. Wenn die absolute Überzeugung in ein 100-Millionen-Invest fehlt, ist eine interessante Ausleihvariante definitiv eine gute Lösung.“
Für den Wunsch-Transfer von Wirtz wäre der Rekordmeister bereit gewesen, tief in die Tasche zu greifen. Schlussendlich wechselte der Offensivspieler für 125 Mio. Euro zum FC Liverpool. Für Stuttgarts Angreifer Woltemade bot Bayern rund 60 Mio. Euro. Doch der VfB bleibt bislang hart.
Nach dem Verkauf von Kingsley Coman an Saudi-Club Al-Nassr war Eberl davon ausgegangen, die Ablöse von 24 Mio. Euro reinvestieren zu können. Doch nun soll der Sportvorstand leihen. Reschke indes kann den Gedanken des Bayern-Patrons nachvollziehen. „Uli Hoeneß hat immer auch das mittel- und langfristige Interesse der Bayern im Blick und kennt die wirtschaftliche Lage des Clubs. Wenn er dann aktuell mal solch eine Ausleihvariante anspricht, dann sicher nicht um Eberl zu schaden, sondern um eine gute Lösung für den FC Bayern zu kreieren“, findet Reschke.
Als FCB-Direktor gelang ihm Ende August 2015, Flügelflitzer Kingsley Coman von Juventus Turin auszuleihen. Ein Volltreffer. „Ich wollte Coman ja schon 2014 als Manager von Bayer 04 verpflichten und kannte ihn also sehr gut. Als ich dann zu den Bayern kam und wir auf den Außenpositionen noch agieren mussten, war King für uns eine Toplösung“, so Reschke. „Damals war eine solche Leihe ungewöhnlich für den FCB, aber Marco Neppe und ich konnten Rummenigge, Dreesen, Guardiola und Sammer überzeugen. Und auch Uli Hoeneß hat den Deal nachträglich sehr positiv bewertet. Vielleicht hat er diese Variante noch im Hinterkopf.“PHILIPP KESSLER