Ein Hindernis-Parcours ersetzt seit dieser Saison das Reiten.
Langrehr fechtet hier bei Olympia. © IMAGO (2)
Rebecca Langrehr fordert Klarheit an der Verbandsspitze, damit der Moderne Fünfkampf eine Zukunft hat. © Instagram
Rebecca Langrehr gehörte in den vergangenen Jahren zu den sportlichen Aushängeschildern des deutschen Fünfkampfs. Nun steht nicht nur die Karriere der 27-Jährigen auf dem Spiel. Denn im Deutschen Verband für Modernen Fünfkampf (DVMF) herrscht seit Monaten Chaos. Sowohl Barbara Oettinger als auch Jan Veder, die auf zwei unabhängigen Verbandstagen gewählt wurden, sehen sich als rechtmäßige Vorsitzende. Die Leidtragenden sind die Athleten. Keine idealen Voraussetzungen für die heute startende Weltmeisterschaft. Athletensprecherin Langrehr steht übrigens nicht im Aufgebot für Litauen.
Frau Langrehr, woran liegt es, dass Sie nicht zur WM fahren?
Der Verband hat mich nicht gemeldet. Warum, das wissen wir alle nicht genau. Schon vor der EM lief der Nominierungsausschuss nicht vernünftig ab. Der Verband hat mich Ende Juni/Anfang Juli dann komplett aus dem Kader geworfen. Das war eine aktive Ausschließung meiner Person. Ich war echt sauer. Sie entscheiden nach Willkür, wen mögen wir, wer trainiert bei den richtigen Leuten, da geht‘s nicht nach Leistung.
Im Verband geht es schon seit einiger Zeit drunter und drüber. Da ist doch jeder Amateurverein besser organisiert.
Ja, das könnte wahrscheinlich nach außen hin wirklich so wirken. Wir haben seit gut vier Monaten einen Notvorstand, der bei uns im Präsidium sitzt, damit der Vorstand überhaupt wieder handlungsfähig ist. Seitdem können wir auch wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Wir haben ja fast ein halbes Jahr ins Nichts trainiert.
Wie kam es so weit?
Im Frühjahr wurde der frühere Präsident (Michael Dörr, d. Red.) ausgeschlossen, und weil der schon länger vakante Posten des Finanzvorstands nicht nachbesetzt wurde, war der Vizepräsident alleine im Vorstand nicht mehr handlungsfähig.
Warum kam es zum Ausschluss?
Ich schätze mal, dass den Vizepräsidenten nicht gefallen hat, wie sich der Präsident verhalten hat. Es gab auch mehrere Anzeigen. Ich hab mich dann bei dieser Thematik irgendwann versucht rauszuhalten, weil es bei mir an die Psyche ging.
Fühlen Sie sich dabei machtlos?
Als Sportlerin auf jeden Fall. Meine Persönlichkeit leidet schon länger darunter. Diesen Krieg gibt es ja schon seit zweieinhalb Jahren. Es gab vor allem nach den Olympischen Spielen zwei Lager. Und ich hatte immer das Gefühl, dass ich das Gesicht von einer Seite war. Ich war der Beweis dafür, dass man auch gut sein kann, ohne dass man bei dem Männer-Bundestrainer trainieren muss.
Gibt es keine Trainerin für die Frauen?
Bis zu Olympia hatten wir Kim Raisner. Die hat aber danach gekündigt aufgrund der Verbandssituation. Schon davor hieß es, alle müssen zum Männer-Bundestrainer, das wurde so ein bisschen erzwungen. Und ganz viele Athletinnen wollten das nicht. Dadurch, dass ich zu diesem Zeitpunkt die beste deutsche Athletin war, konnten sie mich nicht zwingen. Aber nach den Olympischen Spiele fing das auch bei mir an, dass ich mich richtig terrorisiert gefühlt habe.
Wie soll es jetzt weitergehen?
Wenn wir am Verbandstag in knapp zwei Wochen nicht endlich einen vernünftigen Vorstand wählen, dann könnte das das Ende vom Modernen Fünfkampf in Deutschland sein.
Haben Sie überhaupt Hoffnung auf Besserung?
Die habe ich! Ich bin natürlich der Meinung, es gibt Leute, die gewählt werden sollten und Leute, die nicht gewählt werden sollten – um es politisch korrekt auszudrücken. Aber ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich sage: Es ist völlig egal, wer gewinnt. Dieser Krieg muss aufhören. Und es darf nicht sein, dass wieder jemand nach der Wahl rechtliche Schritte einleitet. Bei so viel Tumult kann sich keiner vernünftig aufs Training konzentrieren. Wir Athleten werden instrumentalisiert, wir werden da voll reingezogen und gegeneinander aufgehetzt. Es muss jetzt Ruhe reinkommen, ansonsten verliert man die Athleten und auch den Sport.
Vor dem Verbandstag steht aber noch die WM an. Wie stehen Sie zum neuen Hindernis-Parcours?
Ich war immer der Verfechter, dass Moderner Fünfkampf ein wunderschöner Sport ist – mit dem Reiten. Aber der Sport musste sich weiterentwickeln. Frei nach Stromberg: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Deswegen versuch ich mit der Zeit zu gehen (lacht). Außerdem ist das eine Chance, wie der Fünfkampf wieder viraler gehen könnte – im positiven Sinne.
INTERVIEW: ALEXANDER VORMSTEIN