Wieder zurück: Lena Oberdorf nach ihrer schweren Verletzung, die sie zeitweise noch handicapt. © dpa/Sven Hoppe
Die teuerste deutsche Fußballerin: 400000 Euro betrug die Ablöse für Lena Oberdorf. © IMAGO/SIMON
München – Nach weit über einem Jahr Zwangspause ist der Stellenwert von Lena Oberdorf immer noch gewaltig. Bei der Wahl zur Fußballerin des Jahres gab‘s kürzlich Platz zehn – ohne einzige Spielminute in der vergangenen Saison. Am Samstag dürfte die Leidenszeit vorbei sein.
Nach dann 410 Tagen will Oberdorf im Supercup in Karlsruhe (14.00 Uhr/ZDF und Magentasport) wieder in einem Pflichtspiel zeigen, was sie kann. Es wird ihr erstes im zweiten Vertragsjahr für den FC Bayern, und das pikanterweise gegen Ex-Club VfL Wolfsburg.
„Ich habe es knacken gehört, Knochen auf Knochen, das war schon heftig“, beschrieb Oberdorf den Moment, als ihr Kreuzband im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich am 16. Juli 2024 riss. Wie sie die lange Rehaphase empfand, die nach der bitteren Diagnose folgte, fasste die zweikampfstarke Mittelfeld-Antreiberin auch noch einmal knapp zusammen: „Es war die Hölle.“
Menschlich reifte sie in dieser Zeit. Oberdorf griff wieder zur Gitarre, schaffte sich ein DJ-Pult an, wurde zur Podcasterin. Kurzum: Lernte das Leben abseits des Fußballs intensiver kennen und schätzen. Und stolze Hundebesitzerin (von Skyla) ist sie inzwischen auch.
Sportlich hat die 23-Jährige in dieser Zeit aber viel verpasst: Bronze bei Olympia 2024, das Double mit den Bayern sowie die emotionale EM samt Halbfinal-Einzug. Als nach Sondereinheiten unter den Augen von Bundestrainer Christian Wück Anfang Juni klar wurde, dass es für die Europameisterschaft im Juli in der Schweiz nicht reichen würde, flossen Tränen.
Abgehakt. Oberdorf blickt nach vorn. „Im Training merke ich, wie ungeduldig ich bin, wenn die Bälle nicht so kommen, wie ich es von mir gewohnt bin“, sagte sie. Die Verletzung bereitet ihr kaum noch Sorgen, wie die Testspiele gegen Real Madrid (4:1) und Olympique Lyon (1:4) zeigten.
Gegen Real kam Oberdorf nach 65 Minuten in die Partie und legte prompt das 4:1 auf, gegen Lyon durfte sie von Beginn an ran und erzielte das zwischenzeitliche 1:1 – ihr erstes Tor für den FCB.
„Sie macht Fortschritte, sie wird immer besser. Sie wird eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen Schritt für Schritt mit ihr vorgehen. Keine Eile, kein Druck“, sagte der neue Bayern-Trainer José Barcala über die aktuell teuerste deutsche Fußballerin. 400000 Euro flossen im vergangenen Jahr von der Isar an den Wolfsburger Mittellandkanal.
Jetzt hoffen sie in München, dass ihr Starzugang Oberdorf mit einem Jahr Verzögerung die Summe sportlich zurückzahlt. Bayern-Direktorin Bianca Rech: „Sie macht eine sehr gute Vorbereitung, aber man sieht, dass es noch nicht absolute 110 Prozent sind.“ DPA