Anführerin am Netz: Lena Stigrot. © Arne Dedert/dpa
Bangkok – Vielleicht war es am Ende gar nicht so schlecht, dass der WM-Spielplan für die deutschen Volleyballerinnen am Donnerstag einen Ortswechsel vorsah. Mit dem Umzug nach Bangkok haben sich die trüben Gedanken an die Herzschlag-Niederlage gegen Polen weitgehend verflüchtigt. Auch bei Lena Stigrot war das so, die frühere Lenggrieserin hat schon wieder Gefallen an dem gefunden, was diese WM noch bereithält. Für das deutsche Team ist das ein Achtelfinal-Duell am Samstag (12 Uhr/ZDF-Stream) mit Weltranglisten-Primus Italien. Und Stigrot ahnt: „Wenn wir so spielen wie gegen Polen, dann ist vieles möglich.“
Es ist ohnehin eine Erkenntnis dieses Sommers, dass die deutschen Frauen der absoluten Weltspitze noch einmal ein gutes Stück nähergerückt sind. Auch die Italienerinnen, die seit Juni letzten Jahres kein Spiel mehr verloren haben, hatte man beim 2:3 zum VNL-Auftakt in Rio de Janeiro kräftig geärgert. Was fehlt ist, „dass wir es auch einmal zu Ende bringen“, wie Stigrot sagt.
Die Hoffnung, dass es so kommt, verknüpft sich auch mit der 30-Jährigen selbst. Stigrot ist nach zuletzt vier Jahren in internationalen Topligen zu einer der durchschlagskräftigsten Angreiferinnen der Szene gereift. Nach drei Jahren im Land des Achtelfinalgegners Italien zog sie vor der vergangenen Saison nach Toyama in Japan weiter. Auch aus finanziellen Gründen, wie sie sagt. Aber sie kam unter die Fittichen von Japans Bessermacher Gen Kawakita. Und das hat die Bayerin derart vorangebracht, dass auch die Gedanken an einen Sommer ohne Nationalmannschaft schnell verflogen waren. „Ich habe gemerkt, dass ich das, was ich dort gelernt habe, einbringen will“, sagte sie.
Dem neuen Bundestrainer Giulio Bregoli, dem Trainer-Vulkan aus Bologna, wird es nur Recht gewesen sein. Er hat eine Spielerin, die nicht immer in der ersten Sechs stehen muss, die aber auch von der Bank kommend immer reichlich Punkte garantiert. Auch gegen Polen war das so. Vor allem im vierten Satz, in dem man den Weltranglisten-Dritten mit drei Matchbällen haarscharf an einer Niederlage hatte, schien Stigrot auf dem besten Weg zur Matchwinnerin.
Der Ausgang ist bekannt, doch die Angreiferin glaubt, dass das DVV-Team Lehren gezogen hat: „Wir müssen konstanter werden.“ Gegen Italien wäre dafür kein schlechter Moment.PATRICK REICHELT