Verdienter Saunagang

von Redaktion

Schweden für Deutschland eine „bessere Trainingseinheit“

Bester Werfer des Spiels: Dennis Schröder hatte gegen Schweden mit Barra Njie keine Probleme. Die erste Härteprüfung wartet morgen mit Litauen. © Stickel/dpa

Tampere – Für Dennis Schröder ging es nach dem nächsten Sieg in die Sauna – und das war das richtige Stichwort zu dieser Basketball-Europameisterschaft. Der Weltverband geht sehr gnädig mit seinem Weltmeister um, serviert ihm eine Vorrunde zum gemütlichen Aufwärmen. Was sich gerade im finnischen Tampere abspielt, ist ziemlich weit entfernt von den Ringkämpfen der Finalrunde, die in einer Woche beginnen. Den Deutschen kann das nur recht sein, sie verlängern gerade ihre Vorbereitung. Auch beim 105:83-Sieg über Schweden am Freitagmittag erreichten sie wieder mühelos eine dreistellige Ausbeute.

Schröders erfrischende Ehrlichkeit umriss den Stellenwert dieser Partie. Welch‘ nützliche Erkenntnisse das Team denn mitnehmen könne für die weiteren Tage, wollte man wissen. „Gar nichts“, gab der Kapitän zu Protokoll. Zweit- und drittklassige Gegner probieren sich gegen den Weltmeister. In der Hoffnung, nicht geschreddert und gehackt die Halle zu verlassen. Den Schweden, die spielten (Pelle Larsson und Simon Birgander – zwei Stammspieler – wurden geschont), quoll der bedingungslose Ehrgeiz aus den Adern. Melwin Pantzar zündelte früh in einem Privatduell mit Schröder. Es dauerte ein paar Minuten, bis der gefährlichste Schwede ins Achtung gestellt war und Deutschland sich absetze. Die Skandinavier taten alles dafür, nicht im Schredder zu landen. Sie verausgabten sich beim Offensiv-Rebound, zündeten ein Dreier-Festival (13 Treffer) und erreichten ihr Teilziel.

Im Fall des deutschen Teams stellte sich wiederum tatsächlich die Frage, was genau in solchen Spielen abgeprüft wird. Maodo Lo gab unumwunden zu, dass er die ersten Spiele „ein bisschen wie Trainingseinheiten“ sieht, um wieder in Schuss zu kommen. Selbst Trainer Alan Ibrahimagic hielt als Fazit des frühen Nachmittags fest: „Immerhin haben wir ein paar Stunden mehr Pause als die Litauer.“ Bereits am heutigen Samstag treffen die nominell stärksten Teams aufeinander. Erstmals wird abzuschätzen sein, ob das, was man bisher vom deutschen Team sah, auch repräsentativ ist.

Der Angriff funktioniert bereits wie ein bestens orchestriertes Theater-Ensemble. Die Hauptdarsteller Schröder (23 Zähler) und Franz Wagner (21) konzentrieren sich bereits auf die Improvisation. Die Männer in den Nebenrollen betreten zur rechten Zeit die Bühne. Im ersten Akt schepperte Daniel Theis wie zu besten Zeiten den Ball in den Korb, im zweiten zog Maodo Lo seine Dreier-Show ab, im dritten gruben die Arbeiter Thiemann, Bonga und Co. die Zone um und im letzten tollte das B-Team herum. „Gut, dass jeder aufs Feld kann“, hielt Theis fest.

Die Problemchen dieser Mannschaft sind allesamt am anderen Ende zu verorten. Wobei niemand verlässlich sagen kann, ob sie tiefgründig verankert sind oder nur auf Lässigkeit und Unterforderung basieren. „Defensiv können wir einiges besser machen“, vermerkte Theis, ohne auch nur einen Deut besorgt zu wirken.ANDREAS MAYR

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