„Muss mir was einfallen lassen“

von Redaktion

Zverev scheitert erneut und rätselt – Auch Siegemund und Altmaier raus

Nach dem Kraftakt gegen Tsitsipas musste Daniel Altmaier wegen Oberschenkelproblemen aufgaben. © IMAGO/Greenwood

„Akku war leer“: Laura Siegemund unterlag Ekaterina Alexandrova deutlich. © Hunger/dpa

Einmal mehr ratlos: Alexander Zverev scheidet bei den US Open so früh aus wie seit 2018 nicht mehr. © Ulashkevich/EPA

New York – Der malade Rücken als Erklärung, ja Entschuldigung für das frühe US-Open-Aus? Das war Alexander Zverev dann doch zu billig. „Das ist nicht der Grund. Nein, ich habe verloren, weil ich wirklich schlecht gespielt habe“, sagte Deutschlands Tennisstar, nachdem er auch bei seinem 39. Anlauf auf einen Grand-Slam-Titel jäh gescheitert war. Und zwar nicht gegen einen der Dominatoren dieser Tage, Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz, zu denen er sich in Schlagdistanz wähnt(e). Sondern gegen einen Spieler, der deutlich hinter Zverev klassiert ist.

Das 6:4, 6:7 (7:9), 4:6, 4:6 gegen den Weltranglisten-27. Félix Auger-Aliassime in der dritten Runde von New York gab Zverev in den Katakomben der mächtigen Tennisanlage in Queens zu denken. Auf einen starken ersten Satz folgte ein ausgeglichener zweiter Durchgang, in dem Auger-Aliassime beim Satzball Glück hatte mit einem Netzroller. Laut Zverev habe dies „das ganze Spiel verändert“. Einerseits.

Andererseits war Auger-Aliassime der deutlich aktivere Spieler. Der Kanadier, gegen den Zverev von den vorherigen acht Duellen sechs gewonnen hatte, verbuchte deutlich mehr Gewinnschläge (50:29). Er spielte sich mit viel Mut in einen Rausch, als das Match noch offen war, während Zverev früh an sich zweifelte, in Passivität und Ratlosigkeit verfiel, im dritten Satz den Schläger zu Boden donnerte. Er habe „im gesamten Turnier kein Ballgefühl gehabt“, klagte der Hamburger und stellte fest: „Ich habe zu passiv gespielt, weil ich nichts im Schläger hatte.“ Wie er das im nächsten Jahr besser machen will? „Ich muss mir etwas einfallen lassen.“

Das wird er tatsächlich müssen, denn die Bälle in New York sind für alle in diesem Jahr gleich langsam. Und Zverevs Entwicklung seit dem verlorenen Australian-Open-Finale im Januar gegen Sinner ist bedenklich.

Nach dem Erstrunden-Aus in Wimbledon offenbarte Zverev mentale Probleme und kündigte eine Pause an. Die fiel kurz aus: Nach einer guten Woche stand er wieder auf dem Trainingsplatz, ließ sich von Toni und Rafael Nadal Tipps geben, spielte zwei ordentliche US-Open-Vorbereitungsturniere – um dann beim letzten Major-Turnier des Jahres so früh auszuscheiden wie zuletzt 2018.

Zverev ist die Nummer drei der Weltrangliste und wird es wohl auch über das Turnier hinaus bleiben, doch die „Party“ von Sinner und Alcaraz kann er in der aktuellen Verfassung nicht mal annähernd „aufmischen“, wie Zverev selbst kürzlich formuliert hatte. Die Wahrheit ist: Weiter weg von der absoluten Weltspitze war der Olympiasieger von Tokio lange nicht.

Aus Sicht des deutschen Tennis war es generell ein ganz bitterer Tag in New York: Neben Zverev schieden auch Laura Siegemund und Daniel Altmaier aus. Altmaier, der zuvor den Weltranglisten-28. Stefanos Tsitsipas in einem Fünf-Satz-Krimi besiegte, musste gegen den Australier Alex de Minaur beim Stande von 7:6 (9:7), 3:6, 4:6, 0:2 mit Oberschenkelproblemen aufgeben. „Es ist bitter, wenn man nicht 100 Prozent spielen kann“, sagte der 26-Jährige aus Kempen. Siegemund kassierte beim 0:6, 1:6 gegen die Russin Jekaterina Alexandrowa eine Klatsche. „Der Akku war komplett leer“, berichtete die 37 Jahre alte Metzingerin.

Damit ist der 35 Jahre alte Qualifikant Jan-Lennard Struff, der sich in der Nacht auf Montag mit keinem geringeren als Grand-Slam-Rekordgewinner Novak Djokovic messen durfte, der letzte Deutsche im Turnier.

Artikel 1 von 11