München – Die letzten Sekunden tickten herunter, dann ertönte der Schlusspfiff. Enttäuschung machte sich breit bei den Munich Ravens und den über 6000 Fans im Sportpark Haching. Das Playoff-Halbfinale der European League of Football (ELF) endete mit einer 13:27-Niederlage gegen die Stuttgart Surge, der große Traum vom Finale ist also geplatzt. Das „Championship Game” steigt am 7. September (15 Uhr, live auf ProSieben) ohne die Münchner in der Stuttgarter MHP-Arena gegen die Vienna Vikings. Trotz des bitteren Ausgangs applaudierten die Anhänger der „Ravens Crowd“ ihrer Mannschaft minutenlang. Elf Siege, viele packende Krimis. Ein Team, das sich nie aufgab und immer an den Sieg glaubte. Die einzigen beiden Pleiten einer grandiosen Saison gab es ausgerechnet gegen Stuttgart.
Auch Headcoach Kendral Ellison war nach dem Spiel spürbar bewegt: „Oh, das ist hart. Meine Emotionen fahren gerade Achterbahn“, sagte der 37-Jährige, der das Spiel reflektierte: „Wir haben nicht unser bestes Football gespielt und zu Beginn die Aktionen nicht gut ausgeführt. Es gibt ein paar Situationen, die man gerne zurückhaben möchte – aber es war einfach nicht unser bester Tag.“
Eine dieser Schlüsselszenen war Mitte des vierten Viertels: Ein Pass von Quarterback Russell Tabor landete direkt in den Armen von Stuttgarts Cornerback Ben Wenzler, der den Ball bis in die Hälfte der Ravens zurücktrug. Der darauffolgende Spielzug führte zum Touchdown. Ein schwerer Schlag für die Gastgeber, die in der Folge recht deutlich zurücklagen.
Insgesamt tat sich die Offensive der Ravens vor allem im Passspiel schwer: Nur elf von 27 Passversuchen fanden ihr Ziel, die beiden Touchdowns der Münchner erlief Tabor selbst.
„Stuttgart hat eine sehr gute Defensive. Wir hatten unsere Chancen – wir haben sie nur nicht genutzt“, sagte Ellison.
Die Surge stehen nun im Finale, und das vor heimischer Kulisse. In der rund 60 000 Zuschauer fassenden MHP-Arena kommt es zum Duell mit den Vienna Vikings.
„Es bedeutet uns wirklich viel“, sagte Surge-Headcoach Jordan Neuman. „Es ist etwas, worüber seit einem Jahr jeder gesprochen hat. Ich bin wirklich glücklich.“
Für den Gastgeber fand Stuttgarts Headcoach Jordan Neuman anerkennende Worte: „Sie sind ein sehr gut gecoachtes Team und haben großartige Spieler“. Der nächste Anlauf in Richtung Meisterschaft kann nach dem bitteren Halbfinal-Aus für die Ravens erst in rund neun Monaten starten. Wie das Team 2026 aussehen wird, ist derzeit noch offen. „Wir wissen nicht, was das nächste Jahr bringt“, sagte Ellison mit Blick auf die kommende Spielzeit. „Es wird in mancher Hinsicht ein anderes Team sein.“
Eins steht fest: Die Ravens werden dem europäischen Football erhalten bleiben. Der Verein registriert den Aufwärtstrend in vielen Bereichen. Die Titel-Gier ist nur größer geworden. MARKO ALEKSIC