Für Gattuso und seine Italiener geht es heute in Bergamo gegen Estland. © IMAGO
Bergamo – Nichts geht über Leidensbereitschaft, das stellte Gennaro Gattuso vor seinem Debüt als italienischer Nationalcoach unmissverständlich klar: „Hätte ich auf meinen Körper gehört, hätte ich 50 Spiele weniger absolviert“, erinnerte der einstige Mittelfeldabräumer an seine Profilaufbahn, „wir müssen über Grenzen gehen.“ Durchbeißen, was es auch koste, so lautet die Botschaft vor der Partie Italiens gegen Estland am heutigen Freitag (20.45 Uhr) – damit die Horrorvorstellung einer verpassten WM nicht ein drittes Mal nacheinander zur schmerzvollen Realität wird.
Seit Mitte Juni ist Gattuso, Weltmeister von 2006 und zweimaliger Gewinner der Champions League, Trainer der Squadra Azzurra. Seine Aufgabe: Italien nach den zwei blamabel verpassten WM-Teilnahmen 2018 und 2022 zum Weltturnier in die USA, Kanada und Mexiko im kommenden Jahr führen. Sein Problem: Schon jetzt steht Italien in seiner Qualifikationsgruppe mit dem Rücken zur Wand.
Neun Punkte beträgt der Rückstand in der Gruppe I auf Norwegen, das bereits zwei Spiele mehr als die Italiener absolviert hat – und dem vierfachen Weltmeister beim 3:0-Sieg im Juni eine blutige Nase verpasste. Luciano Spalletti musste nach der Lehrstunde seinen Posten räumen.
Um der Playoff-Runde zu entgehen und sich als Gruppenerster auf direktem Weg für die WM zu qualifizieren, muss Italien obendrein noch zwölf Tore auf Norwegen aufholen. Ein Schützenfest erwartet Gattuso vor seinem Einstand gegen Estland in Bergamo dennoch nicht: „Italien war noch nie eine Nation der Kantersiege, da können wir jetzt nicht vorgeben, mit fünf, sechs Toren Unterschied zu gewinnen.“
Stattdessen forderte der 47-Jährige die Grundtugenden ein: „Ich erwarte Zugehörigkeitsgefühl, den Willen, sich zu opfern, dem Mitspieler auch unbequeme Dinge zu sagen.“ Doch das Drohszenario einer weiteren verpassten WM-Quali schwebt wie ein Schreckgespenst über dem Team. SID