„Ich verbinde zwei Welten“

von Redaktion

Linienrichter und Parfümeur: Gittelmanns Hommage an den Fußball

Feste Größe: Gittelmann mit Xabi Alonso. © IMAGO

„Ich mag gute Düfte“: Gittelmann mit seiner Kreation Grassroots.

Weltenbummler in Sachen Fußball: Gittelmann hat für seine große Leidenschaft schon 45 Länder bereist. © IMAGO

München – Er ist einer der erfahrensten Linienrichter der Bundesliga. Seit dieser Saison gehört Christian Gittelmann zum Team von Harm Osmers. Aber der 42-Jährige hat eine zweite Leidenschaft, die er nun nebenbei zum Beruf gemacht hat. Der Pfälzer hat mit seiner Firma Eleven Legends eine Parfümlinie ins Leben gerufen, die mit ihren ersten beiden Kreationen Grassroots und Gamechanger auch ein offizielles Lizenzprodukt der Bundesliga ist. Im Interview spricht Gittelmann über seine Düfte und ein Leben an der Linie.

Herr Gittelmann, sind sie ein Geruchsmensch? Ein Mann mit feiner Nase?

Ich mag gute Düfte, das war schon als Kind so. Da habe ich dann schon mal vom Papa heimlich Parfüms ausprobiert, und diese Neugier für gute Parfüms hat sich immer weiter ausgeprägt.

Das führte immerhin soweit, dass sie heute mit Eleven Legends eine Parfümlinie herausgebracht haben, die sogar ein Lizenzprodukt der Bundesliga ist.

Ja, das stimmt. Wenn man so will, dann bringt das zwei Leidenschaften von mir zusammen. Ich habe eine große Liebe zum Fußball, hatte, wie so viele, immer den Traum, in großen Stadien auf dem Platz zu stehen. Den habe ich mir als Schiedsrichterassistent erfüllt. Und die offiziell lizenzierte Parfümserie Bundesliga von Eleven Legends ist für mich eine Hommage an den Fußball in Deutschland und dessen Dach, die Bundesliga.

Wie kam es dazu?

Mir hat jemand, der meine Vorliebe kannte, von einem Parfümhersteller in der Nähe erzählt, bei dem es sogar ein Museum gibt. Dort haben wir Gespräche geführt und in der Folge ist die Idee entstanden. Die Geschichte beginnt mit „Grassroots“, das, sportlich-frisch gewissermaßen für die Urleidenschaft steht. Der „Gamechanger“ dagegen steht für die kleinen Dinge, die ein Spiel oder eine ganze Saison verändern können. Es ist ein edelsüßer Duft, 28 Prozent Ölanteil für sehr lange Haltbarkeit. Bis hin zur „Legends Edition“ den sehr hochwertigen Flacons und den Sondereditionen, wie mit der Meisterschale, von denen es ja nur ja 500 sind bzw. waren, da die Black Edition inzwischen ja bereits vergriffen ist.

Sie sind gelernter Betriebswirt. Wie viel Parfümexperte sind Sie im Verlauf des Projektes geworden?

Definitiv genug, um über die Noten und Kompositionen Bescheid zu wissen. Die Kopfnote, das ist der erste Eindruck, der natürlich überzeugen soll. Danach kommt die Herznote zum Vorschein, der Charakter des Parfüms. Bis hin zur Basisnote, die bleibt. Als professionelle Experten sind Leute beteiligt, die zur Geschichte der Parfüms die Kompositionen erstellen. Auch ein Parfüm ist Teamwork, wie der Fußball.

Wie fiel bislang das Echo aus?

Sehr positiv. Fußballer sind ja sehr parfüm-affin, überhaupt ist der Fußball ja schon ein Umfeld, in dem Düfte eine große Rolle spielen. Ich denke, die Menschen sehen auch einfach, wie viel Liebe zum Detail drinsteckt und sind positiv überrascht über die Qualität und die Liebe zum Detail.

Haben Sie mit der Marke Eleven Legends schon weitere Pläne?

Es wird auf jeden Fall weitergehen. Wir haben verschiedenes in Planung – u.a. Düfte speziell für Frauen und eine eigene, starke Linie.

Haben Sie Ihre Düfte auch in den Stadien schon wahrgenommen?

Im Stadion ist mein Fokus natürlich ein anderer. Da bin ich voll auf das Spiel konzentriert und nehme so etwas nicht wahr, wenn es auf den Platz geht.

Sie sind schon viele Jahre Unparteiischer. Eine Rolle, für die man nicht unbedingt geliebt wird. Woher kommt die Begeisterung?

Ich habe mit 17 den Schiedsrichterschein gemacht. Mir hatten es Menschen aus dem familiären Umfeld nahegelegt, es mal neben dem Fußballspielen zu probieren Das waren dann die beiden Seiten für mich. Kicken soviel es geht und Schiedsrichter. Und ich muss sagen, ich fand das von Anfang an eine tolle Aufgabe. Du lernst, Entscheidungen zu treffen, lernst eine Menge Selbstdisziplin und viele Soft Skills! Eigentlich hat jeder, den ich kenne, der das zumindest einige Jahre gemacht hat, auch außerhalb des Fußballs sehr profitiert. Und ganz ehrlich, für mich war es eigentlich schon Bestätigung genug, wenn ich am Anfang nach den Spielen an die Theke ging und die Quittung abgab und jemand gesagt hat: „Hast gut gepfiffen, Junge.“

Sie sind seit 2019 auch auf der FIFA-Liste und somit auch zum sportlichen Weltenbummler geworden. Ist das auch ein Teil der Faszination?

Auf jeden Fall. Ich bin dadurch bis jetzt in 45 Länder gekommen. Und ich rede dabei nicht nur von den europäischen Wettbewerben. Eines der ungewöhnlichsten Erlebnisse war sicher in Libyen. Das Stadtderby in Tripolis. Die eine Mannschaft wurde früher vom damaligen Regime gestützt, die andere von der aktuellen Regierung. Da steckte eine Menge an Emotionen drin, wie man sich hier nicht vorstellen kann. Aber das sind unglaubliche Erfahrungen, die dir so halt nur der Fußball gibt. Und es zeigt auch, was für einen guten Ruf die deutschen Schiedsrichter in der Welt haben. Weil man sie für solche Spiele gerne anfordert und zurecht großes Vertrauen hat.

Aber Sie sind auch auf großer Bühne schon lange ein regelmäßiger Gast. Was ist schwieriger als Schiedsrichterassistent? Das Stadtderby von Tripolis oder doch die Champions League?

Das kann man schwer vergleichen. In der Champions League ist der externe Druck natürlich immens viel höher. Weil es halt auch einfach um wahnsinnig viel geht. Wobei du dir selbst eigentlich immer Druck machst. Du willst und musst immer das Maximum geben. Ob es beim Champions-League-Spiel ist oder beim Amateurspiel im Nachbardorf, weil das alle Beteiligten immer und zurecht erwarten.

INTERVIEW: PATRICK REICHELT

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