Mercedes macht McLaren schnell

von Redaktion

Teamchef Wolff spricht von „Demütigung“: Kundenteam fährt mit den eigenen Motoren davon

Monza – Keine leichten Zeiten für Mercedes-Teamchef und -Anteilseigner Toto Wolff (53). Sein angedachter Superdeal mit Max Verstappen kam nicht zustande, das angebliche Supertalent Kimi Antonelli (19), als Nachfolger von Lewis Hamilton bei den „Silberpfeilen“ hoch gehandelt, macht einen Fehler nach dem anderen – und am schlimmsten: ausgerechnet Mercedes-Kundenteam McLaren dominiert nach Belieben. „Das wird intern nicht als so lustig angesehen“, glaubt Sky-Experte Ralf Schumacher (50), „das wirft einige Fragen auf.“

Schon zu Zeiten von Mercedes-Sportchef Norbert Haug wurde es in der Konzernzentrale nicht gerne gesehen, wenn Teams mit den gleichen Motoren schneller waren als das Stern-Werksteam. Haug vor Wochen bei Sky zur Situation 2010 bis 2012, als damals auch McLaren besser war: „Nach außen ging man locker damit um, sprach davon, dass der Kunde der König sei. Aber intern wurde das natürlich hinterfragt.“

Doch es gibt einen Unterschied: Wurden damals noch im Einklang aller Beteiligten McLaren die Motoren zur Verfügung gestellt, war es diesmal die alleinige Entscheidung von Mercedes-Chef Ola Källenius, McLaren mit Mercedes-Antriebsaggregaten zu beliefern. Beim GP von Italien 2020 in Monza besiegelten Källenius und der damalige McLaren-Teilhaber Mansour Ojjeh persönlich den neuen Motordeal ab 2021. Treibende Kraft dahinter war der damalige McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Der Deutsche wusste, dass mit dem damaligen Motorpartner Renault die Möglichkeiten McLarens nur begrenzt waren. Nur mir Branchenprimus Mercedes wäre es möglich, wieder an die Spitze zu kommen. Das wusste auch Wolff. Der konnte den Deal aber nicht verhindern. „Das änderte plötzlich alles,“ analysiert Ralf Schumacher, „ohne Mercedes-Motoren wäre McLaren sicher nicht in der Spitzenposition, in der sie sich heute befinden. Das ist wiederum ärgerlich für das Werksteam.“

Kein Wunder, dass Wolff nicht gut auf die heutigen Kräfteverhältnisse zu sprechen ist. Beim Großen Preis der Niederlande sprach Wolff sogar von einer „McLaren-Demütigung“ für das gesamte Feld.RALF BACH

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