Ein Münchner ist Brasiliens Volleyball-Zukunft

von Redaktion

Pasay – Zu Beginn dieser Weltmeisterschaft musste Lukas Bergmann noch erkennen, dass auch ein Ausnahmetalent manchmal Geduld haben muss. Die beiden ersten Gruppenspiele der brasilianischen Volleyballer bei der Weltmeisterschaft auf den Philippinen musste der 21-Jährige noch von der Bank anschauen. Das wird sich ändern, die Zeit des 2,04 Meter langen Mannes wird auch bei diesem Turnier kommen.

Immerhin ist Bergmann das Gesicht der nachdrängenden Generation beim dreimaligen Weltmeister. So sehr, dass sogar Deutschlands früherer Bundestrainer Vital Heynen ins Schwärmen geriet: „Ich werde einmal mit Stolz sagen, dass ich gegen ihn gespielt habe als er noch jung war.“

Bitter für Heynens ehemaligen Arbeitgeber: Bergmann hätte durchaus auch Deutschlands angehender Star werden können. Der Mann mit dem markanten Rotschopf wurde wie seine drei Jahre ältere Schwester Julia in München geboren und wuchs auch in der Landeshauptstadt auf. Bis sich seine Eltern, selbst begeisterte Hobbyvolleyballer, zum Umzug in die Heimat der Mutter in Südbrasilien entschieden. Die Bande sind eng. „Ich bin wegen meiner Großeltern immer wieder dort gewesen“, sagte Bergmann in bestem Deutsch.

Der Nachwuchs hat oft zugeschaut als die Eltern Beachvolleyball spielten. „Am Anfang haben wir nie mitspielen dürfen“, erinnert sich Lukas Bergmann. Irgendwann durften sie es doch und die Begeisterung ist geblieben. Man muss vielleicht dazu sagen, dass der Volleyball in Brasilien einen gewaltigen Stellenwert hat. Hinter Fußball ist er die klare Nummer zwei. Und so fanden sich beide Kinder schnell im Ausbildungssystem eines Großclubs wieder. Erst bei der Nachwuchsschmiede Avotol Toledo, dann zog es Lukas zu Sesi Bauru, wo er früh mit dem Profiteam arbeiten durfte. Vor zwei Jahren kürte man ihn schon zum besten Angreifer der Südamerika-Meisterschaft. Grund genug für die Macher des italienischen Topclubs Gas Sales Piacenza Volley, ihn in diesem Sommer aus seinem Vertrag herauszukaufen.

Es war bei dieser Entwicklung absehbar, dass Bergmann wie seine Schwester schon bald auch ins Visier des brasilianischen Verbandes kommen würden. Er wusste, dass ihm auch der Weg in die alte Heimat offen stand. „Aber ich habe alles in Brasilien gelernt“, sagte er, „es war nie ein wirkliches Thema.“ Zumal er in der Selecao auch unter die Fittichen des vielleicht weltbesten Coaches Bernardo Rezende kam. Der große Titelsammler des Weltvolleyballs, der schon mehr als 40 Trophäen in den Händen hielt, ist bekannt dafür, dass er gerade junge Spieler zu immer besseren Leistungen treibt. RP

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