Breite Brust: Die Bayern sind national in starker Frühform und schlugen zuletzt den HSV mit 5:0. © Feil/Imago
München – Wer dieser Tage die Stärke des FC Bayern analysieren will, befindet sich in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite steht der starke Saisonstart (fünf Pflichtspiele, fünf Siege, 22:5 Tore), der schon im September den Eindruck erweckt, dass man die Meisterschale vorsorglich in München parken kann, weil der sichere Titel spätestens im Frühjahr mit ein paar Weißbier-Duschen begossen wird.
Auf der anderen Seite steht das Abschneiden in der Champions League: Seit dem Titelgewinn 2020 lauteten die Resultate im (zumindest finanziell) wichtigsten Wettbewerb für die Münchner: viermal Viertelfinale, einmal Halbfinale. Zu gut für die Bundesliga, zu schlecht für den Champions-League-Titel – kann man es sich so einfach machen? Die Antwort lautet: natürlich nicht. Das zeigen allein die verschiedenen Reaktionen Fußballdeutschlands vor dem Königsklassen-Auftakt des FCB am heutigen Mittwoch gegen Chelsea. So versuchte Uli Hoeneß zuletzt, den Rekordmeister in eine Underdog-Rolle zu bringen: „Ich kann nur sagen, dass ich mich auf die kommende Saison freue, weil wir so wie Hoffenheim in die Champions-League-Saison gehen. Und genau das ist unsere Chance.“
Lothar Matthäus konterte in seiner Sky-Kolumne und schrieb: „Ich kann Uli nicht ganz folgen. Hoffenheims Chancen auf die Meisterschaft in der Bundesliga sind weitaus geringer als die des FC Bayern in der Königsklasse“, so der Rekordnationalspieler. „Für mich gehört Bayern zu den sechs besten Mannschaften in Europa und zu dem Kreis der Teams, die den Titel gewinnen können.“ Und auch Karl-Heinz Rummenigge sagte: „Nein. Da stimme ich Uli Hoeneß ausnahmsweise nicht zu, wenn er sagt, wir seien das Hoffenheim der Champions League“, so der frühere Bayern-Boss: „Außenseiter sind wir nie! Wir sind vielleicht auch nicht immer Topfavorit, aber das ist gar nicht schlecht.“
Wer hat nun Recht – Hoeneß oder Rummenigge? Vor dieser Antwort wollte sich Vincent Kompany auf der Pressekonferenz am Dienstag lieber drücken: „Schauen wir mal, was passiert“ sagte der Coach mit einem Schmunzeln und schob dann etwas ernster hinterher: „Alle haben 100 Prozent Bock auf die Champions League. Wir wollen die Champions League gewinnen. Ein anderes Ziel gibt es nicht.“
Eine entscheidende Rolle nimmt dabei Harry Kane ein. Der Torjäger zeigt kommt in den ersten fünf Pflichtspielen auf überragende acht Tore. „Wenn wir in der Allianz Arena spielen, können wir jeden schlagen, wenn wir unser Leistungsmaximum erreichen. Wir fühlen uns aktuell sehr gut“, erklärte der Angreifer – und warnte gleichermaßen vor dem Gegner: „Wenn wir Chelsea schlagen wollen, müssen wir unser Maximum erreichen. Chelsea war bei der Club-WM und in der Premier League sehr stark. Das wird ein tolles Flutlichtspiel.“V. TSCHIRPKE,
M. BONKE, P. KESSLER