Auch als Joker mit dem Herzen dabei: Patrick Hobsch (Mi.), der Topjoker des TSV 1860. © IMAGO
Mit dem Kopf nur noch bei 1860: Ex-Hansa-Stürmer Sigurd Haugen. © IMAGO
München – Als Last-Minute-Monster hat sich der TSV 1860 auf Tabellenplatz zwei vorgearbeitet, und nach Lage der Dinge hat Sportchef Christian Werner im Sommer einiges richtig gemacht. Von den acht Neuen, die am Sonntag gegen Havelse (3:2) in der Startelf standen, haben bislang alle überzeugt. Fängt an bei Hiller-Nachfolger Thomas Dähne, dem sicheren Rückhalt zwischen den Pfosten – und hört vorne auf, wo einer aus dem erstligaerfahrenen Trio meistens trifft. Sigurd Haugen führt mit drei Treffern die interne Torschützenliste an. Kevin Volland, am Mittwoch in Rostock gelbrotgesperrt, ist der Topscorer (zwei Tore, drei Assists) – dicht gefolgt von Florian Niederlechner (zwei Tore, zwei Assists), der mit seiner kämpferischen Art als Zugpferd im Wortsinne fungiert.
Viele Neuzugänge also, fast alles Volltreffer. Siehe auch die Außenbahn-Maschinen Manuel Pfeifer/Marvin Rittmüller, der linke Aufbauspieler Siemen Voet oder Max Christiansen, der den genialen Tunay Deniz fürs Erste verdrängt hat. Lediglich Justin Steinkötter, aus der Regionalliga gekommen, hinkt einsatzmäßig hinterher (zweimal ohne Einsatz im Kader). Nach den Eindrücken der ersten fünf Spieltage erhalten die Löwen eine Bestnote für ihre Sommertransferpolitik. Und trotzdem: Das Allerbeste, das Werner verantwortet hat, war wahrscheinlich ein Nicht-Transfer – der von Patrick Hobsch, dem eiskalten Vollstrecker von der Reservebank.
Die Bilanz des Ex-Hachingers in dieser Saison zeugt von gnadenloser Effektivität: 64 Einsatzminuten, zwei Tore, ein Assist. Hobsch hat den Löwen die Tür zu Siegen in Aachen (2:0) und gegen Havelse geöffnet – und wer weiß, wie die Stimmung jetzt wäre, wenn er und Haugen in den letzten drei Spielen nicht drei sehr späte Treffer erzielt hätten. Was 1860 dabei besonders freuen dürfte: Haugen ist der Stürmer, der bei Mitkonkurrent Rostock offenbar schmerzlich vermisst wird. Der FC Hansa hat in fünf Spielen erst zwei Treffer erzielt, was die sehr mittelmäßige Startbilanz erklärt (sechs Punkte). Kein Wunder daher, dass Rostock im Sommerschlussverkauf alles daran gesetzt hat, den bei 1860 nur noch als Edeljoker eingesetzten Ex-Toptorjäger Hobsch abzuwerben.
Das Vorspiel auf dem Transfermarkt hat 1860 also schon mal gewonnen. Und was sagt Trainer Patrick Glöckner zu seinen beiden Topstürmern, die bei Konkurrent FC Hansa Phantomschmerz auslösen müssten? „Wir sind natürlich sehr froh, dass wir die beiden haben. Sigi passt wunderbar in unser Team, auch von der menschlichen Basis her. Und bei Hobschi wussten wir, was wir an ihm haben. Deswegen konnten wir ihn auf gar keinen Fall abgeben.“ Es sei für 1860 eine „sehr gute Konstellation“, zwei solche Topspieler in den eigenen Reihen zu haben.
Zuletzt im Totopokal standen Hobsch und Haugen sogar erstmals als Duo in der Startelf. Eine Option, die Glöckner auch für Rostock in Erwägung zieht. Schließlich wird ein Ersatz für den gesperrten Volland gesucht. Auch David Philipp und Tunay Deniz hätten Chancen – vielleicht mit „Veränderungen in der Grundordnung, die wir in Erwägung ziehen“. Trotzdem, so der 1860-Coach, habe er großen Respekt vor seinem Ex-Verein (zehn Spiele in der Saison 2022/23): „Für mich ist es mit Essen das schwerste Auswärtsspiel. Wir werden mit Demut anreisen – aber auch mit einem guten Selbstvertrauen.“ Und mit zwei Stürmern, um die der FC Hansa die Löwen beneidet.ULI KELLNER