Titelhungrig: Kane will nach Meisterschaft und Supercup mehr. © IMAGO/EPhotopress
Die Bayern wollten ihn: Jetzt will Wirtz Liverpool zum Titel schießen. © IMAGO/Leech
Weißes Star-Ensemble: Bellingham, Mbappe und Vinicius. © IMAGO/Titone
Amtierender Champions-League-Sieger: Paris Saint-Germain holte Ende Mai in München den Henkelpott und stand im Juli auch im Finale der Club-WM. © Michael/dpa
München – Vorhang auf für die Königsklasse: 108 Tage nach dem Finale in München ist die Königsklasse am Dienstagabend in die neue Spielzeit gestartet. 36 Teams kämpfen ab sofort in 167 Partien um den Titel „beste Mannschaft des Kontinents“ – manche mit besseren, manche mit schlechteren Karten. Unsere Zeitung macht unter den Favoriten den Check, inklusive Prognose. Nur: bitte nicht drauf festnageln – denn: Die Saison ist lang…
■ Titelverteidiger: Paris Saint-Germain
Auf den Vorjahressieger zu setzen ist immer leicht – aber in diesem Fall besonders. Denn es gab nicht allzu wenige Experten, die Paris Saint-Germain zum lang ersehnten und ersten Triumph in der Königsklasse eine goldene Ära prophezeit haben. Das 5:0 im Endspiel gegen Inter Mailand war beeindruckend, immerhin aber hat das Team von Luis Enrique bei der Club-WM in den USA gezeigt, dass es an schlechten Tagen auch verwundbar ist. In der heimischen Liga war ein solcher in der laufenden Spielzeit noch nicht dabei: Paris grüßt nach vier Siegen von der Tabellenspitze. Es läuft weiter, denn Enrique hat seine eingeschworene Truppe, die gegen Atalanta Bergamo startet, zusammen gehalten. Lediglich der 23 Jahre junge Keeper Lucas Chevalier steht noch vor der Reifeprüfung – zumal sein Vorgänger, der fallengelassene Gianluigi Donnarumma, in der vergangenen Spielzeit der Königsklasse nicht ganz unwichtig war. Prognose: Finale
■ Bestes Team der Welt: FC Chelsea
Nein, in der Überschrift ist kein Tippfehler: Der FC Chelsea ist tatsächlich offiziell das beste Team der Welt, schließlich haben die Engländer im Sommer die Club-WM gewonnen. Zur Transparenz gehört hier aber angemerkt, dass dafür bis auf den überraschenden Finaltriumph gegen Paris keine Glanzleistungen erforderlich waren: Los Angeles, Tunis, Flamengo, Benfica, Palmeiras und Fluminense hießen nämlich die Gegner davor. Unbestritten Weltmeister sind sie allerdings im Geld ausgeben (und sinnlos verbrennen): 1,8 Milliarden (!) Euro hat Chelsea seit der Übernahme von Todd Boehly vor drei Jahren für einen Kader ausgegeben, der 1,08 Milliarden wert ist. Das muss man erst mal schaffen – genau wie Chelsea die K.o.-Phase, wo sich die fehlende Konstanz im Team bemerkbar macht.
Prognose: Viertelfinale
■ Deutsche Hoffnung: FC Bayern
Ob es jemals eine Königsklassen-Saison gegeben hat, in die der FC Bayern mit Worten wie „Wir gehen so wie Hoffenheim in die Champions-League-Saison“ gestartet ist? Eher nicht, aber Zitatgeber Uli Hoeneß und der Rest der Bayern-Macher sind vielleicht nicht schlecht beraten, den großen Wurf mit eher leisen Tönen zu planen. Die Sehnsucht nach dem ersten Sieg seit 2020 ist groß, intern im Club, drumherum unter den Fans. Trotzdem zählt das Team von Vincent Kompany – auch mit Blick auf den vergleichsweise unauffälligen Transfersommer – eher zum erweiterten Kreis der europäischen Topteams. An guten Tagen kann viel gehen, auch mit Blick auf die prominenten Rückkehrer Jamal Musiala, Alphonso Davies und Hiroki Ito zur K.o.-Runde. An schlechten sind andere besser.
Prognose: Halbfinale
■ Transfer-Krösus: FC Liverpool
Die Frage, ob Geld Tore schießt, wird sich am FC Liverpool in dieser Saison so gut beleuchten lassen wie an keinem anderen Team zuvor in der Königsklasse. Denn anstatt wie gewohnt zurückhaltend zu agieren, hat der FC Liverpool in diesem Sommer satte 481,9 Millionen Euro in den Transfermarkt gepumpt. Die Stars mit den dicken Preisschildern wie Florian Wirtz (125 Mio. Euro), Alexander Isak (145) und Hugo Ekitike (95) tummeln sich nun im Team des englischen Meisters, wohin die Reise führen soll, ist klar. Dass schon in der Vorrunde Kracher gegen Atletico, Real und Inter warten, dürfte Trainer Arne Slot nicht allzu sehr jucken. Zumal die Brust aus der Premier League breit ist: Vier Siege zum Start, beste Stimmung. Dabei sind Wirtz und Isak noch nicht mal durchgestartet. Prognose: Finale
■ Dauer-Favorit: Real Madrid
Was ist eigentlich das Gegenteil eines sogenannten „Hot-Takes“? Vermutlich zu sagen, dass Real Madrid zu den Favoriten auf den Champions-League-Titel zählt (wäre das dann ein „Cold-Take“?). Die Königlichen gehören jedenfalls allein aufgrund ihres Namens zum Anwärterkreis für die Königsklasse, weitere gute Argumente lauten: Mbappé, Vinicius Jr., Bellingham. Außerdem ist mit Xabi Alonso ein weitgehend unbekanntes Trainer-Talent in die spanische Hauptstadt gewechselt, das auch ein bisschen was an der Coaching-Tafel können soll. Ob er die Topstars in den Griff bekommt, bleibt aber noch abzuwarten. Prognose: Viertelfinale
■ Wundertüte: FC Barcelona
Das letzte Mal, als eine derart ambitionierte Horde Teenager im Großraum Barcelona gesichtet wurde, befand sich der Autor dieser Zeilen auf Abifahrt in Lloret de Mar. Knapp zehn Jahre später sind es Lamine Yamal, Pau Cubarsí und Co., die unter Aufsicht von Hansi Flick den Weltfußball aufmischen. Im vergangenen Jahr denkbar knapp im Halbfinale gescheitert, wollen die Katalanen dieses Jahr den großen Wurf schaffen. Dafür haben sie sich unter anderem Marcus Rashford ausgeliehen, den neuen Torwart Joan García verpflichtet und Marc-André ter Stegen ausgebootet. Im entscheidenden Moment könnte es der Bubi-Truppe aber auch dieses Jahr an Erfahrung fehlen. Prognose: HalbfinaleHANNA RAIF, VINZENT TSCHIRPKE