Flieger und Torschütze: Jürgen Klinsmann in Tottenham. © Hooper/Imago
Traumeinstand in der Premiere League: Nick Woltemade durfte bei seinem Debüt für Newcastle United gleich seinen ersten Treffer und einen Sieg feiern. © Humphreys/dpa
Newcastle – Ein wenig peinlich wurde es erst hinterher. „Ich musste in der Kabine eine Rede halten. Dabei war ich ziemlich müde und mein Englisch nicht mehr das Beste“, gestand Nick Woltemade nach seinem traumhaften Einstand auf der Insel – und musste dabei herzhaft lachen: „Ich habe den Jungs dann halt gesagt, wie glücklich ich bin, bei ihnen zu sein.“
Das dürfte auf Gegenseitigkeit beruhen. Schließlich war es Woltemade, der Newcastle United gleich bei seinem Debüt zum ersten Saisonsieg am 4. Spieltag führte. Der deutsche Hüne im Sturm sorgte mit seinem spektakulären Kopfballtreffer (29.) für den 1:0-Erfolg der Magpies gegen die Wolverhampton Wanderers. Musste der Nationalspieler beim WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland (3:1) in Köln noch Pfiffe ertragen, wurde er im St. James Park euphorisch gefeiert.
„Woltemade, Woltemade, olé, olé, olé“, hallte es von den Tribünen. „Dass die Fans gleich einen Song für mich hatten, war natürlich sehr schön“, kommentierte Woltemade – übrigens in sehr gutem Englich – die ausgelassene Partystimmung: „Es ist völlig verrückt. Es war ein toller Start für mich. Es hätte nicht besser laufen können.“ Das sahen auch die Medien so. Woltemade habe „sofort eingeschlagen“, meinte der Guardian. Der Independent hatte einen „perfekten Start“ des 23-Jährigen gesehen. „Der riesige Deutsche wurde sofort zum Helden von Newcastle“, schrieb das Boulevardblatt „The Sun“. Und die BBC meinte: „Woltemade zeigt Newcastle, dass es ein Leben nach Isak gibt.“ Der Ex-Dortmunder Alexander Isak war in diesem Sommer von Newcastle für die Premier-League-Rekordsumme von umgerechnet 145 Millionen Euro zum FC Liverpool gewechselt.
Nach Angaben des Datendienstleisters Opta ist er erst der dritte deutsche Profi nach Ex-Weltmeister Jürgen Klinsmann und dem früheren DFB-Kapitän Ilkay Gündogan, dem beim Einstand in der Premier League sofort ein Tor gelungen ist. Dabei liegen hinter Woltemade, der für bis zu 90 Millionen Euro von DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart zum Champions-League-Teilnehmer aus Newcastle gewechselt war, komplizierte Wochen. Die Niederlage im Finale der U21-EM gegen England, der geplatzte Wechsel zu Bayern München, der kurzfristige Transfer auf die Insel, zuletzt die schwachen Auftritte im Trikot der Nationalmannschaft. Nach der schwierigen Zeit stand Woltemade die Erleichterung ins Gesicht geschrieben.
„Natürlich war ein gewisser Druck da“, gab Woltemade, der in der 65. Minute von Krämpfen geschüttelt raus musste, unumwunden zu: „Ein Tor gleich im ersten Spiel ist da natürlich perfekt. Ehrlich gesagt habe ich einfach die Augen zugemacht und ihn reingeköpft. Jetzt will ich natürlich noch mehr Tore machen. Ich kann die nächsten Spiele kaum abwarten.“
Lange warten muss Woltemade nicht, um sich auch auf der ganz großen Bühne zu beweisen. Heute kommt der FC Barcelona zum Auftakt der Königsklasse nach Newcastle. „Das ist aufregend. Es wird ein besonderes Spiel für jeden von uns“, sagte der Angreifer bei seinem zuversichtlichen Blick voraus: „Wir können gewinnen.“SID, DPA