Klotzen auf Türkisch

von Redaktion

Wie das hochgetunte Galatasaray die Champions League aufmischen will

Kaum einer, auch Okan Buruk nicht, hatte damals, im Oktober 1992, ernsthaft geglaubt, Galatasaray Istanbul könne diese Hürde gegen den turmhohen Favoriten Eintracht Frankfurt meistern. Bei den Hessen spielten Manni Binz und Jay-Jay Okocha, Ralf Weber, Lothar Sippel und Tony Yeboah, hinten hielt Uli Stein die Bälle fest. Wie sollte das gehen? Noch heute kann Okan Buruk darüber nur staunen. Buruk stand damals auf dem Frankfurter Rasen, blutjung, kaum 19 Jahre alt, gerade der Gala-U21 entwachsen, er trug die Nummer sieben. Tatsächlich schaffte der türkische Renommierclub die Überraschung, torlos in Frankfurt, 1:0 in Ali Sami Yen Stadyum.

Heute, 33 Jahre später, trägt Okan Buruk schwarze Pullis, manchmal auch Anzug und Krawatte, er ist 51 Jahre alt und Trainer der Gelb-Roten, und die Vorzeichen sind inzwischen andere. Wenn Galatasaray, 25-mal Meister der Süper Lig, am Donnerstagabend das Waldstadion betritt, ist das mit Stars gespickte Team vom Bosporus in der Favoritenrolle. Kein Wunder bei diesem Personal: Victor Osimhen, Leroy Sané, Ilkay Gündogan, Mauro Icardi, Wilfried Singo und und und.

Gala will nun auch international durchstarten. Für knapp 150 Millionen Euro hat man eingekauft, hat Spieler, wie Osimhen (für 75 Millionen), Abwehrmann Wilfried Singo (für 31 Millionen) oder Torwart Ugrucan Cakir (für 28 Millionen) verpflichtet, hat Sané und Gündogan ablösefrei hinzugewonnen – und ein Team voller Superstars geschaffen.

Woher aber hat der Club, der vor einigen Jahren noch Schulden in Höhe von 400 Millionen Euro drückte, auf einmal das ganze Geld? Hinter der Offensive steckt ein Plan. Präsident Dursan Özbek hat, wie einst schon Real Madrid, das eigene Trainingsgelände an die Stadt veräußert, zwischen 500 und 600 Millionen Euro sollen eingenommen werden.

Ungeachtet der Schuldentilgungen ist genug Cash vorhanden, um etwa dem derzeit angeschlagenen Osimhen eine Jahresgage von 20 Millionen Euro zu zahlen, netto. Auch Sané soll fürstlich kassieren, neun Millionen. Die große Stärke der hochgetunten Elf ist folglich ihre individuelle Qualität. Die Eintracht ist gewarnt.THOMAS KILCHENSTEIN

Artikel 1 von 11