Walter Eschweiler im Stadion des 1. FC Köln. © IMAGO/Müller
Euskirchen – Die Glückwünsche inklusive Eloge kamen bereits vorab von höchster Stelle. „Walter Eschweiler ist eine Legende im Schiedsrichterwesen“, würdigte DFB-Präsident Bernd Neuendorf den früheren Spitzenschiedsrichter kurz vor dessen 90. Geburtstag am Samstag: „Als rheinische Frohnatur war er auf dem Platz immer sehr präsent. Er war witzig und pflegte mit den Spielern stets einen guten Umgang.“
Und Eschweiler ist auch heute noch ein gern gesehener Gast in den Stadien. Die einstige „Pfeife der Nation“ ist trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch äußerst munter, immer wieder ist der gebürtige Bonner bei Bundesliga-Partien oder bei Veranstaltungen der Verbände anzutreffen. „Ich wünsche ihm weiterhin alles Gute“, sagte Neuendort: „Er hatte eine hohe Akzeptanz bei den Spielern wie bei den Medien – und war fachlich über jeden Zweifel erhaben. Auch seine Stellungnahmen waren einzigartig mit seiner rheinischen Art.“
Tatsächlich hatten das auch die ganz Großen zu Eschweilers aktiver Zeit so gesehen. Wer die Abschiedsspiele von Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Sepp Maier und Pelé leiten durfte, musste bei den Profis beliebt gewesen sein. Eschweiler kam aber nicht nur bei den Stars gut an. Der Unparteiische, der zwischen 1966 und 1984 insgesamt 154 Bundesliga-Spiele pfiff, hatte für jeden Profi einen Spruch parat.
Mit seinem Rollen-Verständnis gilt Eschweiler, der bei zwei Europacup-Endspielen im Einsatz war, noch heute als Vorreiter seiner Zunft. „Die Schiedsrichter sind ja nicht die entscheidenden Figuren auf dem Platz. Wir haben nur die Aufgabe, den Regeln Geltung zu verschaffen“, sagte Eschweiler dem kicker: „Aber das kann man auch ganz nett und höflich machen.“
Internationale Berühmtheit erlangte Eschweiler durch seinen einzigen WM-Einsatz beim Vorrundenspiel 1982 zwischen Italien und Peru (1:1). Der Peruaner Jose Velasquez rannte Eschweiler damals über den Haufen. Nachdem er benommen auf dem Boden gesessen hatte, sammelte er seine Pfeife und die Karten ein – dann pfiff er weiter. Seine Selbstironie offenbarte Eschweiler beim unmittelbar folgenden Anruf von Hans-Dietrich Genscher. Der damalige Außenminister erkundigte sich noch in der Halbzeitpause nach Eschweilers Gesundheitszustand. „Lieber Herr Minister, außer dem angeborenen Dachschaden liegt keine nennenswerte Beeinträchtigung vor“, berichtete Eschweiler während des Telefonats.SID