Kann er Krise? Patrick Glöckner (re.) darf erst einmal als Trainer der Münchner Löwen weitermachen, leitete die beiden Trainingseinheiten am Dienstag. © Ruiz/Imago
München – Um kurz nach 11 Uhr am Dienstag wurde das Murmeln unter den Trainingskiebitzen am Gelände des TSV 1860 lauter und lauter. Die Mannschaft war zum Laufen in die Isarauen aufgebrochen. Die Torhüter starteten ihre Trainingseinheit auf dem Rasen. Und die beiden Co-Trainer Nico Masetzky und Markus Brenzska bauten auf dem Platz Übungen auf. „Dann ist er wohl weg“, „Jetzt ist alles klar“ und weitere Sätze in diese Richtung fielen. Und dann Auftritt Patrick Glöckner. Schnellen Schrittes kam der Chefcoach des TSV 1860 München aus der Kabine, grüßte die anwesenden Anhänger und ging auf den Platz. Als ein Fan einen Sieg im Krisengipfel in Aue (Samstag, 14.03 Uhr, BR & MagentaSport) forderte, antwortete Glöckner: „Daran arbeiten wir.“
Wir – bedeutet also, der stark in die Kritik geratene 48-Jährige bleibt Trainer der Löwen. Zumindest vorerst. Denn nach Informationen unserer Zeitung sind längst nicht alle im Club der Meinung, Glöckner gelingt nach den katastrophalen Auftritten in Rostock (1:2-Niederlage) und gegen Hoffenheim II (1:5-Demütigung) noch die Wende. Der Trainermarkt wird an der Grünwalder Straße 114 weiterhin genauestens beobachtet.
Wer die verschiedenen Foren rund um Sechzig verfolgte, las in den letzten Tagen Sätze wie „Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht mehr“ oder „Das Team spielt gegen Glöckner“. Sätze, die ins Reich der Fabeln verwiesen werden können. Nach unseren Informationen hat Glöckner keinesfalls die Kabine verloren. Team und Trainer wollen zusammen versuchen, den Turnaround zu schaffen. Glöckner muss es allerdings schleunigst gelingen, den Löwen wieder Leben einzuhauchen. Die vergangenen beiden Matchpläne des Coaches gingen katastrophal schief, drei Halbzeit-Auswechslungen in Rostock und sogar derer vier gegen die Hoffenheim-Bubis deckten das gnadenlos auf.
Und doch war am Dienstag zu erkennen: Glöckner hat längst noch nicht aufgegeben. Lautstark coachte er seine Spieler bei den verschiedenen Spielformen. Die Mannschaft scheint den Ernst der Lage verstanden zu haben, es war ordentlich Feuer drin in den Übungen, bei denen auch der zuletzt verletzte Tim Danhof wieder mitmischen konnte. Nach der Einheit zog sich Glöckner mit Stürmer Florian Niederlechner zurück, suchte das Gespräch mit dem Angreifer, dessen Formkurve zuletzt ebenfalls nach unten zeigte. Der 34-Jährige wird (neben Kevin Volland, Thore Jacobsen oder auch Thomas Dähne) in den nächsten Tagen mehr denn je als Führungsspieler vorangehen müssen – gerade in Abwesenheit des verletzten Kapitäns Jesper Verlaat.
Nach dem Vormittagstraining nahm sich Niederlechner noch Zeit, mit den enttäuschten Fans zu sprechen. Der Ex-Berliner ist keiner, der sich versteckt, wenn es unangenehm wird. Sachlich, aber direkt erklärte er, dass die Mannschaft selbst auch maximal enttäuscht über die gezeigten Leistungen sei. Sprach aber auch an, dass ihn die Beleidigungen einzelner Chaoten im Stadion am Samstag getroffen hätten. Eine Woche zuvor seien sich nach dem 3:2-Sieg gegen Havelse schließlich noch alle in den Armen gelegen.
Klar ist: Es muss etwas passieren bei 1860, ehe die Mannschaft in den fast schon traditionellen Herbst-Abwärtsstrudel hineingerät. Geschäftsführer Christian Werner war im Übrigen – entgegen seiner sonstigen Gewohnheit – nicht auf dem Trainingsplatz zu sehen. Anders als sein Kollege in Aue, Matthias Heidrich,hat Werner seinem Coach keine öffentliche Rückendeckung ausgesprochen. „Kein Kommentar“, gab es von Werner zur Trainer-Personalie. Die Stimmung in Giesing passt sich dem ungemütlichen Herbstwetter an – es wird rauer und rauer.MARCO BLANCO UCLES