Noch viel Sand im Bayern-Getriebe

von Redaktion

Basketballer nun vor Euroleague-Start

München – Es war am Ende wahrscheinlich nur konsequent, dass auch die Eröffnungsshow nicht ganz so wollte wie sie sollte. Die Drohnen, die die Basketball-Bundesliga (BBL) vor diesem Auftakt ihrer 60. Saison durch den BMW Park schwirren lassen wollte, blieben mangels Signal eisern auf dem Boden stehen.

Auch der Sport kam am Freitag dann ja auch nur schwer in Fahrt. So schwer, dass später auch Gordon Herbert seinen Bayern-Basketballern ein wenig zürnte. „Die erste Halbzeit hat mir überhaupt nicht gefallen“, sagte er, „das sah aus, als wären wir direkt vom Oktoberfest auf den Platz gekommen.“ Aber die Sache ging ja gut, nach dem Wechsel rückten Herberts Münchner die Dinge gegen Aufsteiger Jena mit 93:77 gerade.

Und, nun ja, es kam ja nicht ganz unerwartet, dass der Bayern-Motor noch stotterte. Größere Teile des Kaders hatten bis Freitag kaum eine Handvoll Trainings miteinander bestritten. „Wir werden sicher ein bisschen die Spiele nützen müssen um als Team zusammenzuwachsen“, sagte Europameister Oscar da Silva, der wegen eines Infekts selbst erst Mitte vergangener Woche zu seinen Bayern gestoßen war.“

Auch das ist ein bisschen der Preis des Erfolges der Nationalmannschaft. In der Vergangenheit waren die Bayern froh, wenn sie es früh in der Euroleague-Saison mit Real Madrid oder dem FC Barcelona zu tun hatten, weil sich die Spanier nach den Turnierausflügen ihrer Nationalspieler erst sortieren mussten. Jetzt stehen sie selbst vor diesem Problem. Der am Freitag noch geschonte Andreas Obst, Justus Hollatz oder auch die Center-Neuzugänge Wenyen Gabriel und David Cormack werden am Dienstag (20.15 Uhr) beim Wiedersehen mit dem türkischen Trainerfuchs Ergin Ataman und seinem Panathinaikos Athen zum ersten Mal überhaupt eingreifen.

Aber wer weiß, vielleicht trifft es sich ja ganz gut, dass die Spielplaner in BBL und Euroleague dem runderneuerten Deutschen Meister erst einmal reichlich Heimaufgaben beschert haben. Die Euroleague-Hymne etwa ertönt für die Bayern alleine im Oktober sechsmal im heimischen SAP Garden. Das erste Mal gleich am Donnerstag (20.30 Uhr), wenn der serbische Topclub Roter Stern Belgrad zur Revanche für die Play-In-Niederlage in der Vorsaison in den Olympiapark kommt. „Zuhause“, sagte da Silva, „tust du dir schon ein bisschen leichter.“

Und es gibt sie ja, die Hoffnungsschimmer. Zum Beispiel den, dass man mit Kapitän Vladimir Lucic oder Niels Giffey Spieler hat, die nach kompletter Vorbereitung schon voll im Wettkampfmodus sind. Auch Neuzugang Xavier Rathan-Mayes war der körperliche Vorsprung durchaus anzumerken. Und dann war da natürlich Regisseur Stefan Jovic, der die nicht ganz einfache Aufgabe hat, die Lücke zu stopfen, die die schwere Verletzung von Supertalent Rokas Jokubaitis gerissen hat. Und der Serbe deutete zumindest schon einmal an, dass er tatsächlich auch mit 34 noch ein Mann für magische Momente sein kann.

Die allerdings wird man auch brauchen. Immerhin war Jokubaitis als der Mann eingeplant, der aus dem gutklassigen Kader der Münchner ein Spitzenensemble machen soll. Und dan werden weit dickere Kraftproben kommen als das Duell mit dem wacker kämpfenden Aufstieger aus Thüringen. Die erste schon am Dienstag in Athen. Mit Panathinaikos haben die Bayern in ihrer europäischen Geschichte nicht viel gute Erfahrungen. In Griechenland gewann man bis heute noch nie. PATRICK REICHELT

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