Drangvolle Enge herrschte vor dem Iserlohner Tor: Münchens Stürmer Maxi Kastner zwischen Roosters-Torwart Hane und Abwehrmann Norell. © Eibner
München – Der Gegner, den der EHC Red Bull München am Sonntagnachmittag vorgesetzt bekam, passte vom Namen her zur Oktoberfestzeit: die Iserlohn Roosters. Die Kampfhähne waren aber alles als leicht zu verzehrendes Hendl. Sie wehrten sich bis kurz vor Zeltschluss im SAP Garden. Erst durch ein Empty-Net-Goal in der Schlussminute war vor 8127 Zuschauern ein 3:1 (0:0, 1:1, 2:0)-Sieg für den Favoriten München eingetütet.
Beim EHC gab es eine einschneidende Veränderung in der Aufstellung: Ryan Murphy fehlte, der Spieler mit der meisten Eiszeit, der erklärte Nummer-eins-Verteidiger. Der Club vermeldete für ihn eine Oberkörperverletzung (und umschrieb damit eine Gehirnerschütterung). Murphy ist der Spiritus Rector des Überzahlspiels, deshalb herrschte Spannung, wem Trainer Oliver David die führende Rolle im Powerplay anvertrauen würde. Nur, die Auflösung der Frage zog sich hin. Erstes Drittel: keine Strafzeiten. Zweites Drittel: keine Strafzeiten. Erst in der 44. Minute die erste Hinausstellung – aber gegen den EHC. München selbst hatte keine Sekunde Überzahl.
Es war ein komisches Spiel, ohne Spektakelwert, das zeigte sich schon früh. Die Iserlohner, diese Saison skandinavisch ausgerichtet, errichteten um ihren Torhüter Hendrik Hane ein Abwehrbollwerk. Für den 25-jährigen ehemaligen Junioren-Nationalkeeper war es eine dankbare Aufgabe: Er wurde warm geschossen, konnte sich in diversen Situationen auszeichnen und hatte Glück bei einem Pfostenknaller des Münchners Ville Pokka (14.). Es war eine Phase, in der die Roosters kaum aus der eigenen Zone kamen. Colton Jobke, der Abwehrhaudegen, schaffte es einmal 150 Sekunden nicht vom Eis. „Inakzeptabel in allen Mannschaftsteilen außer im Tor“, beschrieb der Deutschkanadier das erste Drittel, in dem Iserlohn zu nur einem Torschuss kam.
„Unser erstes Drittel war exzellent“, so EHC-Coach Oliver David. Doch die Münchner machten aus ihrer Überlegenheit wenig. Auch das 1:0 durch Brady Ferguson (23.) brachte keine Erlösung. In der 38. Minute stand es dann plötzlich 1:1, Iserlohn wirkte selbst verblüfft, der Schwede Henrik Törnqvist brachte den Puck nach einem Patzer von Fabio Wagner über die Linie. Und ab der 44. musste der EHC vier Minuten in Unterzahl überstehen; Phillip Sinn bekam für einen hohen Stock mit Verletzungsfolge im Gesicht von Gegenspieler Fischbuch eine doppelte Strafe. Die Abwehr hielt, anders als in den mit je 3:6 verlorenen Matches in Straubing und Ingolstadt – und vorne ging doch noch einer rein. 2:1 durch Jeremy McKenna (51.), den bislang verhinderten Torjäger, der meinte: „Großartig, dass ich mein erstes Tor für München erzielen konnte. Wir mussten einfach gewinnen.“ Brady Ferguson beschloss die Veranstaltung mit seinem zweiten Tor (60.), als Iserlohn ohne Torwart spielte.GÜNTER KLEIN