„Bayern-Pleite? Keine Chance!“

von Redaktion

Zypern-Kenner Zorniger über No-Name-Club Pafos und den Insel-Fußball

Früher bei Chelsea: David Luiz. © IMAGO/Kyriazis

Wurde in Zypern Meister: Alexander Zorniger. © Rasmussen/imago

Enges Duell: In Piräus erkämpfte sich Pafos in Unterzahl ein torloses Remis. © Abaca/imago

Limassol – Wenn der FC Pafos am heutigen Dienstag (21 Uhr) auf den FC Bayern trifft, begegnen sich zwei Welten. Die Zyprer sind ein unbeschriebenes Blatt im europäischen Fußball, sind zum ersten Mal überhaupt in der Champions League dabei. Einer, der den Club kennt, ist Alexander Zorniger. Der Trainer (aktuell in Odense/Dänemark an der Seitenlinie) arbeitete auch schon in Zypern. In der Saison 21/22 coachte er Apollon Limassol zur Meisterschaft, traf dabei in vier Spielen auf den FC Pafos.

Herr Zorniger, welche Erinnerungen haben Sie an den FC Pafos?

Pafos hatte damals schon sehr gute individuelle Spieler, das ist typisch für Zypern. Es war immer schwierig, dort zu spielen. Sie haben zu der Zeit noch nicht die ganz große Rolle gespielt, hätten uns aber fast die Meisterschaft gekostet.

Was macht für Sie den zyprischen Fußball aus?

Es gibt sehr viele ausländische Profis, die wegen der guten steuerlichen Bedingungen und des Umfelds auf die Insel kommen. Das macht die Liga insgesamt interessant, auch wenn die Mannschaften im Schnitt eher älter sind. Und wie bei Pafos, gibt es überall Besitzerstrukturen. Ich glaube, ich habe damals keinen Verein kennengelernt, in dem es keinen Club-Eigner gab.

Pafos ist ein junger Club, erst 2014 aus einer Fusion entstanden. Wie erklären Sie den schnellen Aufstieg?

In Zypern ist der Unterschied zwischen der ersten und zweiten Liga schon noch groß. Wenn du dann Geld in die Hand nimmst, und es strategisch gut investierst, kannst du dich relativ schnell im Oberhaus etablieren.

Wie würden Sie die Entwicklung in den letzten Jahren beschreiben – sportlich und strukturell?

Die Stadt liegt im Westen der Insel an der Küste. Um dort hinzukommen, muss man auf der Autobahn durch einen längeren Tunnel fahren. Man hat lange gesagt: Hinter dem Tunnel wird kein Fußball gespielt. In der Zwischenzeit haben sie sich aber richtig gut entwickelt. Sie haben auch in Struktur investiert, nicht nur in Beine. Letzteres ist das übliche Geschäftsmodel auf Zypern.

Welche Rolle spielt der Verein für die Stadt?

Pafos ist eine typische Urlaubsregion, beliebt bei englischen Touristen. Eine riesige Fanbasis wie in Nikosia oder Limassol gibt es dort nicht. Aber die Erfolge der letzten Jahre haben natürlich einen Schub gegeben.

Was bedeutet die Teilnahme an der Königsklassen für den Verein und den zyprischen Fußball insgesamt?

Es gab noch nicht so viele zyprische Mannschaften, die sich für die Champions League qualifiziert haben. Das ist schon immer wieder ein Thema. APOEL Nikosia kam 2011 sensationell bis ins Achtelfinale. Auf Zypern ist der Nationalstolz schon so verankert, dass man denkt, dass das jedes Jahr reproduzierbar sein müsste. Dass sie jetzt in der Gruppenphase der Champions League dabei sind, katapultiert sie um Dekaden nach vorne.

Wie stark ist die Mannschaft?

Man darf sie nicht unterschätzen. Sie haben eine gute Geschwindigkeit, können schon auch Fußball spielen. Ich habe sie zuletzt beim 0:0 gegen Olympiakos gesehen – da haben sie auch in Unterzahl ordentlich dagegengehalten. Es ist wie bei einem Pokalspiel: Für eine Partie können sie gefährlich sein.

Das Spiel findet in Limassol statt, nicht im eigenen Stadion. Ein Nachteil?

Das ist sicher kein Vorteil, aber auch nicht entscheidend. Es wird trotzdem ein hitziges und intensives Spiel, das Publikum wird Gas geben.

Welche Chancen räumen Sie Paphos gegen die Bayern ein?

Realistisch? Ich glaube, sie werden keine Chance haben. Die Sieg-Wahrscheinlichkeit liegt vielleicht bei drei Prozent. Bayern ist auf einem ganz anderen Level.

INTERVIEW: JOHANNES OHR

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