„Donald, schaust du zu?“

von Redaktion

Golf-Krimi beim Ryder Cup: Europa besiegt die USA und ihre pöbelnden Fans

Rory McIlroy und Ehefrau Erica Stoll. © IMAGO/Marsh

Die US-Fans pöbelten unnötig. © Herrera/EPA

Jon Rahm, Tommy Fleetwood und Rory McIlroy – Team Europa hatte auch Unterstützung. © Squire/AFP

Da ist der Ryder Cup: Tyrrell Hatton reckt den Pokal in die Höhe – Team Europa jubelt . © AFP/Redington

New York – „Schaust du zu, Donald Trump?“, sangen Europas Ryder-Cup-Helden um Kapitän Luke Donald mit der goldenen Trophäe in den Händen nach der erfolgreichen Titelvereidigung gegen am Schlusstag sensationell aufspielende US-Stars. Die Antwort des US-Präsidenten und begeisterten Hobby-Golfers kam prompt: „Ja, ich schaue zu. Herzlichen Glückwunsch!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social und postete dazu den entsprechenden Video-Clip der ausgelassen feiernden Europäer. Trump war am ersten Tag des Kontinentalvergleichs persönlich auf dem Golfplatz erschienen, um seine US-Landsleute anzufeuern.

■ Lowry mit dem entscheidenden Putt

Am Ende jubelten aber die Europäer. Nach dem aufwühlenden Auswärtssieg versprach ein erleichterter Rory McIlroy mit feuchten Augen eine gigantische Party. Shane Lowry gönnte sich schon Minuten zuvor ein Bier nach dem wichtigsten Putt des Tages. Trotz unerwartet dramatischer Entwicklungen holte Team Europa wie zuletzt 2012 auswärts die wichtigste Trophäe im Golf-Sport und bezwang die USA vor den Toren New Yorks 15:13. „Wir werden feiern, als gäbe es kein Morgen“, sagte der Nordire McIlroy.

Gerade für ihn war der Triumph nicht irgendein Erfolg, nein, der Nordire genoss eine ganz persönliche Genugtuung. „Ich wünschte, sie hätten die Hunde losgelassen“, scherzte McIlroy über die aufgeheizte, feindselige Atmosphäre. Es werden vor allem die üblen Pöbeleien und vulgären Gesänge der US-Fans gegen McIlroy und seine Ehefrau in Erinnerung bleiben sowie die Bilder von zusätzlichen Polizeikräften, die alkoholisierte Zuschauer unter Kontrolle halten müssen. Manch einer wähnte sich nicht im schicken Bethpage State Park, sondern eher bei einem Fußball-Derby.

Polizisten mit Hunden hatten McIlroy auf dessen Runden begleiten müssen. Unsicher fühlte sich der Weltranglistenzweite daher nicht, doch die Beleidigungen der Zuschauer, die vor allem ihm und seiner amerikanischen Frau Erica Stoll galten, seien „nicht zu akzeptieren“, sagte McIlroy: „Eigentlich sollte so etwas verboten sein, das war es aber nicht.“ Seine Frau sei den Attacken mit „Klasse, Haltung und Würde“ entgegengetreten, sagte McIlroy. Auch der Ire Shane Lowry, der den entscheidenden Putt für die Europäer verwandelt hatte, staunte über Stoll: „Es ist unglaublich, was sie da draußen aushalten musste und wie sie dennoch ihren Mann und das Team unterstützt hat.“

In der aufgeheizten Atmosphäre blieben McIlroy und Lowry nicht immer cool. Lowry wäre fast auf einen Fan losgegangen, sein Caddy hielt ihn zurück. McIlroy ließ sich zu einer obszönen Geste hinreißen. „Es war eine harte Woche für uns alle. Aber gleichzeitig haben wir sie durch unsere Leistung und unser Spiel zum Schweigen gebracht“, sagte er: „Wir werden viel Spaß beim Feiern haben.“

Trotz eines Sieben-Punkte-Vorsprungs hatte erst Lowrys Schlag die Titelverteidigung für Europa perfekt gemacht – nach einer Aufholjagd der Gastgeber im Bethpage State Park auf Long Island, die kaum jemand für möglich gehalten hatte. Die USA verpassten nur knapp das größte Comeback in der Geschichte des Wettbewerbs. „Ich kann nicht glauben, dass der Putt rein ist. Der Ryder Cup bedeutet mir alles“, sagte Lowry.

„Das waren die stressigsten zwölf Stunden meines Lebens“, sagte Europas Kapitän Donald, der bereits beim Sieg in Rom vor zwei Jahren die Verantwortung getragen hatte. Scottie Scheffler resümierte aus US-Sicht: „Die ersten Tage liefen nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich bin echt müde, aber stolz auf den Kampf, den wir heute geliefert haben.“

Der Schwede Ludvig Aberg gewann am Schlusstag als einziger Europäer sein Einzel. Als unerwartet wertvoll erwies sich zudem der halbe Punkt, den Europa schon am Sonntagmorgen bekommen hatte – Viktor Hovland konnte wegen Schmerzen am Nacken nicht antreten, das Duell mit Harris English fiel deswegen aus und beide Teams bekamen einen halben Zähler gutgeschrieben. Von den 19 Ryder Cups seit 1979 hat Team Europa nun 13 gewonnen.DPA

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