Vor knapp einem Jahr hat Aki Watzke zum Handy gegriffen und sich beschwert. Der bald scheidende Geschäftsführer von Borussia Dortmund wollte es nicht auf seinem Klub sitzen lassen, als „Mittelklasseverein“ verhöhnt zu werden. Tatsächlich sollte Watzke recht behalten. Ein zweistelliger Tabellenplatz, wie zum Start ins Jahr 2025, sollte nur eine Momentaufnahme bleiben. Wenn auch eine, die an zehn aufeinanderfolgenden Spieltagen ein wenig über den Moment hinausging.
An diesem Wochenende hat sich ein Kreis geschlossen: Der BVB ist durch das 2:0 in Mainz seit 13 Spielen (davon elf Siege!) unbezwungen. Die Serie begann durch ein 3:1 gegen denselben Gegner am letzten März-Wochenende und führte die Borussia schnurstracks an taumelnden Teams vorbei in die Champions League.
Niemand bezweifelt, dass am 4. Februar eine neue Einstellung Einzug nach Dortmund erhalten hat. Niko Kovac stellte sich seinerzeit so vor: „Ich ich glaube, dass ich ganz gut in den Pott passe.“ Das dauerte eine Weile, bis Worker Kovac den Spielern eingebimst hatte, dass sie drindlich eine Verteidigungsmentalität zu entwickeln haben, um zuverlässig Spiele zu gewinnen.
Irgendwann hatten es alle kapiert, vier von fünf Bundesligaspiele blieb Schwarz-Gelb zum Saisonstart nunmehr gegentorlos. Das ist natürlich kein Zufall. So kann selbst das Fehlen der Torgarantie Serhou Guirassy kompensiert werden. Weil nämlich die Ersatzbank üppig besetzt ist, wurde der Mittelstürmer mal eben durch Nationalspieler Julian Brandt ersetzt, der prompt eine famose Vorstellung bot und zwei Tore blitzsauber vorbereitete.
Das Dumme ist nur: In der Vergangenheit haben Leute wie Brandt, Maxi Beier und der auch in Mainz bärenstarke Karim Adeyemi nie glaubwürdig den Nachweis erbracht, dass man sich beständig auf sie verlassen kann. Darum geht es jetzt, darum, Leistung weiterhin konstant abzurufen.
Am Samstagabend saß ein sichtbar entspannter Sportdirektor Sebastian Kehl, der auch schon schwierigere Tage in Dortmund erlebt hat und dabei ein große Portion Frustrationstoleranz bewies, im ZDF-Sportstudio und erklärte für seine Verhältnisse fast tollkühn: „Wir wollen wieder dahin zurück, wo wir herkommen – und die Bayern jagen.“ Niko Kovac scheut sich nicht, genau das auch mit hässlichem Fußball zu bewerkstelligen. Hinten dicht, dann einfach lang nach vorne und fix hinterher. Die Zwischenbilanz gibt ihm recht.