Mit eisernem Besen: Oberlöwe Gernot Mang. © Sampics
Doppel-Rumms: Trainer Patrick Glöckner (li.) und Sportgeschäftsführer Christian Werner wurden zusammen entlassen. © IMAGO
München – Auf die dritte Pleite in Folge reagierten die Löwen mit einem Rundumschlag: Trainer Patrick Glöckner weg – und mit ihm überraschend auch Sportchef Christian Werner. Was hat Gernot Mang dazu bewogen? Unser Interview mit dem Präsident des TSV 1860.
Mit dem Abpfiff für Trainer Patrick Glöckner hatten die meisten gerechnet, nicht aber mit dem Aus für Sportchef Christian Werner. Was sind die Gründe für den Doppel-Rauswurf?
Derart weitreichende Entscheidungen werden nie von heute auf morgen getroffen, sondern sind Ergebnisse von Prozessen und sauberen Abwägungen. Dass wir den sportlichen Zielen hinterherlaufen, konnte man, glaube ich, nicht erst seit den letzten drei Spielen erkennen.
Aber reicht das für eine Sportchef-Entlassung?
Es wäre nicht fair, öffentlich tiefergehende Gründe für unsere Maßnahmen zu nennen, zumal beide (Werner und Glöckner) bei uns noch laufende Dienstverträge besitzen. Was mir wichtig ist: Ich sehe deswegen kein Chaos bei uns – und erst recht keine Krise. Wir haben das Ganze hochprofessionell geregelt – in enger Absprache beider Gesellschafter.
Hätte sich Werner retten können, wenn er Glöckner noch vor Aue gefeuert hätte?
Das ist reine Spekulation und das kann ich so nicht bestätigen. Noch mal: Wir mussten im Sinne des Vereins reagieren. Eine Neuausrichtung ist unerlässlich, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen.
Obwohl Sie im Sommer von Werners Kaderzusammenstellung geschwärmt hatten. Keine Exklusivmeinung übrigens.
Wie gesagt: Nachkarten halte ich für schlechten Stil. Ich sag‘s mal so: Es ist im Profifußball viel zu einfach, die Geschäftsführungstätigkeit nur auf die Kaderzusammenstellung zu reduzieren.
Kontinuität ist eine Basis für Erfolg. 1860 fängt jetzt aber wieder von vorne an, neue Leute müssen sich ja erst einarbeiten. Ist das nicht kontraproduktiv?
Auch ich wünsche mir Kontinuität, ganz klar. Für uns geht es jetzt darum, Leute zu finden, die den Löwen im Herzen tragen, die aus dem 1860-Kosmos kommen.
Benny Lauth?
Es gibt mehrere Personen (lächelt). Ich sehe Benny derzeit nicht als Geschäftsführer. Und es gibt auch noch andere gute Personen, die etwas in diesem Verein machen wollen.
Vernünftig wäre, einen Doppelrauswurf nur zu veranlassen, wenn man einen schlüssigen Plan B in der Schublade hat. Wie sieht der aus?
Wir haben diesen Plan, wir wissen genau, wie unsere Organisation in Zukunft ausschauen soll. Wir suchen jetzt einen starken und erfahrenen kaufmännischen Geschäftsführer – und eine Ebene darunter einen Sportdirektor.
Wo findet man auf die Schnelle einen Top-CEO?
Durch Kontakte. Es gibt zwei, drei Kandidaten. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Wir sind zuversichtlich, gemeinsam mit unserem Mitgesellschafter, der in alle Schritte und Überlegungen eingebunden wird, zeitnah entsprechende Lösungen präsentieren zu können.
Robert Reisinger, Ihr Vorgänger, hatte noch kurz vor der Amtsübergabe mit Werner verlängert: Vertrag bis 2027, auch eine Klausel wurde gestrichen, die 1860 viel Geld bei einer Entlassung gespart hätte. Sollte da eine alte Rechnung beglichen werden?
Nein, überhaupt nicht. Mit Rache oder so hat das nichts zu tun, das wäre ja Wahnsinn! Das war ganz klar eine Entscheidung im Sinne von Sechzig, getragen von allen Beteiligten gemeinsam.
Nach Oliver Mueller stehen jetzt bei der KGaA zwei Ex-Angestellte mehr auf der Payroll: Glöckner und Werner. Eine satte sechsstellige Summe dürfte das ausmachen. Woher nimmt 1860 das Geld?
Ist alles im Gesamtbudget enthalten. Und wer sagt denn, dass Werner nicht schon bald einen neuen Job findet? Wir legen ihm keine Steine in den Weg.
Also keine neuen Darlehen bei Ismaik?
Das müssen wir sehen. Es geht demnächst um die Fortführungsprognose, um die Gesamtbudgetierung. Wenn wir die gemacht haben, wissen wir, was nötig ist.
Kommen wir zur Zukunft: Bis zum Ende der Englischen Woche übernimmt NLZ-Chef Manfred Paula das Werner-Büro – und Alper Kayabunar den Cheftrainerjob von Glöckner. Und danach?
Wir hoffen, dass wir spätestens in der Länderspielpause einen neuen Cheftrainer haben.
Werner schien schon mit Thomas Wörle recht weit zu sein. Bleibt der Ex-Ulmer ein Thema?
Der Name ist gefallen ja, Ich kenne Herrn Wörle nicht, aber für die Trainersuche ist auch Manfred Paula zuständig, nicht der e.V.
Wen würden Sie sich wünschen?
Aus meiner Sicht brauchen wir einen erfahrenen Trainer, der die 3. Liga kennt, der auch die Bundesliga kennt. Und ganz wichtig: Er sollte wissen, wie man junge Spieler entwickelt. Wir haben nämlich ein Top-NLZ.
Trifft alles auf einen zu: Michael Köllner.
Nein, nein (lacht). Gehandelt werden ja viele Trainer. Köllner, Pacult, Wörle. Noch haben wir – entgegen anderslautender Medienberichte – mit keinem Trainer gesprochen, diese Zuständigkeit liegt bei Manfred Paula.
Glauben Sie weiterhin an den Aufstieg?
Die Hoffnung ist nach wie vor da. Wir liegen nur drei Punkte hinter dem Relegationsplatz. Die Saison geht noch lang!
INTERVIEW: ULI KELLNER