Ricarda Funk © IMAGO
Sydney – Ricarda Funk spürt bei der WM im Penrith Whitewater Stadium einen ganz besonderen Geist, die Olympia-Strecke der Spiele von Sydney versprüht für sie eine spezielle Magie. Der Triumph von Thomas Schmidt im Jahr 2000 auf jenem Wildwasserkanal sei „das erste Mal gewesen“, betonte Funk, „dass ich Olympische Spiele richtig wahrgenommen habe“. Denn jener Schmidt sei nach seiner Goldmedaille feierlich in ihrer gemeinsamen Heimat Bad Kreuznach empfangen worden.
Die damals gerade einmal neun Jahre alte Ricarda wartete dort in erster Reihe und ergatterte eine Unterschrift. „Da war ich super stolz und habe das Plakat im Zimmer aufgehängt“, erzählte die Rheinland-Pfälzerin. Und natürlich habe sie ausprobieren wollen, was Schmidt in Australien in Perfektion vorgeführt hatte. Nun kann Funk selbst an jener historischen Stätte gut ein Jahr nach ihrem Drama von Paris nach Gold greifen.
Ihre Medaillenmission findet allerdings unter erschwerten Bedingungen statt. Beim Training in Penrith zerbrach ihr Paddel – und der Ersatz lässt auf sich warten. Eigentlich hätte die Pressesprecherin des deutschen Teams am Wochenende samt des von Papa Funk neugebauten Paddels nachreisen sollen. Doch der Flieger drehte auf der ersten Etappe von Frankfurt nach Singapur ohne Begründung um – und das Paddel ist seitdem verschwunden. Denn während Pressesprecherin Uta Büttner auf einen neuen Flug umbuchen konnte, war das Paddel im „totalen Chaos“ bei der Gepäckaufgabe nicht auffindbar. Kommt es bis zum Vorlauf am Mittwoch nicht in Australien an, wäre es für Funk ein Drama. „Es ist sehr ärgerlich“, monierte die zweimalige Einzel-Weltmeisterin: „Wenn es um Zehntel geht, muss alles stimmen.“
Sie sei diesbezüglich „sehr sensibel“, ihre hohen Ziele dürften ohne das für jeden Sportler individuell gefertigte Paddel kaum erreichbar sein. Zum Auftakt beim Einzelrennen im Kajak-Cross reichte es – mit einem anderen Paddel – nur zu Platz 34, aber der Klassiker im Wildwasser am Mittwoch ist Funk ohnehin wichtiger. „Das ist das, was ich so sehr liebe. Jetzt gilt es, den heutigen Tag abzuhaken und einen Neustart zu wagen.“ Und an den Erfolg der EM im Frühjahr anzuknüpfen. Damals gewann sie in Vaires-sur-Marne den Titel, das sei für sie „persönlich definitiv ein Highlight gewesen, weil ich mit Paris sehr viele Emotionen verbinde“.
Bei den dortigen Sommerspielen im Vorjahr hatte die Tokio-Olympiasiegerin auf Medaillenkurs liegend ein Tor verpasst und alle Chancen eingebüßt. Mit Hilfe eines Sportpsychologen und mit Meditation habe sie dies abgeschüttelt. Und jetzt das Paddel-Drama. DPA