Schweißgebadet optimistisch

von Redaktion

DFB-Sportdirektor und Filmstar Rudi Völler geht von der direkten WM-Qualifikation aus

Rudi Völler im Mittelpunkt: Filmpremiere mit den Kindern Marco, Kevin, Greta, Bryan und Ehefrau Sabrina. © Sky/Krausgrill

Frankfurt – Plötzlich, mitten im Film, ein sonderbares Geräusch. Alarm! Feueralarm! Das Bild hält an, als erschräke es sich, das Licht geht an, und 200 Menschen, unter ihnen die versammelte deutsche Fußballprominenz mit DFB-Spitze, Altnationalspielern und Bundesliga-CEOs, schauen einander verwirrt und ein wenig ängstlich an. Was, wenn jetzt hier, unter der Erde, im Kellergewölbe des Frankfurter Gibson Club, ein Inferno aus Rauch und Flammen losbräche? Wie käme man nach oben, nach draußen? Doch alles gut, die Sirene verstummt, das Licht wird wieder runtergedimmt, der Film läuft weiter. Später wird sich herausstellen, dass es an den für das Event herbeigeschafften Kochgerätschaften etwas zu heiß geworden war. Alles wird gut, und das kann gar nicht anders sein, denn das ist die Veranstaltung, die sich um Rudi Völler dreht, um die Sky-Dokumentation über ihn, in der sein Freund, der Sänger Marius Müller-Westernhagen, sagt: „Rudi scheitert halt nicht.“

„Rudi Völler. Es gibt nur einen“ wird demnächst anlaufen, in Frankfurt gab es eine Premierenaufführung. Der Protagonist selbst hatte die Location dafür ausgewählt. Mit dem berühmten Völlerschen Augenzwinkern. Als er nach der WM 2022 zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge, Hans-Joachim Watzke und den Olivers Kahn und Mintzlaff in die Task Force zur Rettung des deutschen Fußballs gerufen wurde, „da sagte man über uns: Lauter alte weiße Männer. Daher sind wir heute in diesem Club für junge Leute, er ist der angesagteste in Frankfurt, auch die Eintracht-Profis kommen hierher.“ Und nun war eben der Mittachtziger Otto Rehhagel als einer der Gäste da, der zu Sabrina Völler einmal gemeint hatte, dass sie für ihn wie eine Tochter sei und sie ihn daher Trainer nennen dürfe. Die Geschichte ist eine der Schmonzetten des sehenswerten und amüsanten Films über Völlers Rudi-Leben.

Veröffentlicht wird er in einer Phase, in der der deutsche Fußball wieder an einem kritischen Punkt angelangt ist.Wie öfter schon, als der Sympathieträger Völler gerufen wurde. Er steckt ja wieder mittendrin seit der (längst aufgelösten Task Force). „Ich habe schon zweimal beim DFB verlängert – wegen dir, Julian“, ruft er Bundestrainer Nagelsmann zu, der mit seinem Staff ins Gibson gekommen ist. Die Gruppe steckt die Köpfe zusammen. Am Donnerstag um 10 Uhr geht das Aufgebot raus, mit dem die Nationalmannschaft den Fehlstart in der WM-Qualifikation korrigieren soll. Luxemburg (in Sinsheim am Freitag, 10. Oktober) und Nordirland am Montag darauf in Belfast sind die nächsten Gegner. Es darf nichts mehr passieren, wenn man sich direkt für die WM 2026 qualifizieren und die Relegation im März vermeiden will.

Welche Rolle spielt Rudi Völler dabei? Für Nagelsmann ist er der wichtigste Partner. „Rudi hat die Gabe, Ruhe zu vermitteln, aber hinterher Schwächen zuzugeben.“ Er habe das schon oft erlebt, dass er glaubte, Völler sei die Gelassenheit in Person – „und dann steigt er schweißgebadet in den Bus“. Er tut sich das weiter an. Das Leben könnte mit 65 ein entspannteres sein, aber Völlers Ehefrau Sabrina weiß, „dass das mit dem DFB eine besondere Verbundenheit ist. Der DFB ist sein Zuhause und die Nationalmannschaft das Größte, was Rudolf erreicht hat.“

Über den ihm gewidmeten Film sagt Völler, er habe ihn sich ganz entspannt ansehen können, „weil ich wusste, wie er ausgeht“. Dabei ist das jetzige Kapitel Sportdirektor noch nicht abgeschlossen. Wahrscheinlich würde man es nicht an ihm festmachen, wenn das DFB-Team sich einen historischen Lapsus leisten würde. Doch er rudivöllert diese Vorstellung einfach weg: „Wir werden eine andere Mannschaft erleben in den nächsten beiden Länderspielen, und wir werden zusammen zur WM-Auslosung fahren.“ Die ist nach zwei weiteren Qualifikationsspielen (in Luxemburg und in Leipzig gegen die Slowakei) im Dezember. „Ich bin optimistisch“, schmettert Völler im Gibson-Club von der Bühne, und alle klatschen, als wäre das schon die WM-Quali. Der DFB hat neulich in einer Mail die Journalisten auch schon gebeten, sich den Tag nach dem Slowakei-Spiel freizuhalten für einen Workshop zur WM in den USA.

Diskutiert wurde in Frankfurt noch, ob Julian Nagelsmanns 2024 getätigte Weltmeister-Aussage zu forsch gewesen sei. Rudi Völler sagt, er hätte es anders formuliert. Nämlich: „Wir werden schwer zu schlagen sein, das haben wir schon oft bewiesen. Und das werden wir wieder tun.“ GÜNTER KLEIN

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