Für den Frankfurter Trainer Dino Toppmöller ist Champions-League-Dauergast Atletico Madrid ein ernsthafter Anwärter auf den Titel der Königsklasse. Eine Einschätzung, die gewiss ein wenig verführt ist, da bis zum Finale am 30. Mai in Budapest noch ganz viel Wasser den Main hinablaufen wird. Sie ist aber auch kein taktisches Kalkül, um eine deftige 1:5-Abreibung seiner Mannschaft zu rechtfertigen. Ganz klar: An diesem Dienstagabend im Metropolitano fühlte es sich so an, als ob da eine ordentliche Fußballmannschaft auf eine sagenhafte getroffen ist, ein entfesselt aufspielendes Ensemble, ein homogenes Potpourri von Künstlern, Freigeistern, Sprintern und Kämpfern. Und ja, das fühlte sich doch sehr nach Champions-League-Premiumklasse an.
Nun könnte man es sich einfach machen und die Stärke der Madrilenen mit der Schwäche der Eintracht begründen. In Wirklichkeit spielt Atletico in der derzeitigen Verfassung einfach in einer anderen Liga, und deshalb sollten sich die Frankfurter nicht lange mit dieser Pleite aufhalten. Sie sollten ihre Lehren daraus ziehen und sich vergegenwärtigen, dass die Entwicklung des Klubs atemberaubend ist und bleibt, aber es eben natürliche Grenzen gibt. Die Eintracht wird nicht automatisch die Champions League aufmischen oder zum Bayern-Jäger, nur weil sie eine spannende, fantasievolle Mannschaft beisammen hat. Sie spielt im Orchester der Großen keine tragende Rolle, was auch gar nicht geht, wenn man wirtschaftlich um Lichtjahre hinterherhinkt und jedes Jahr seine besten Spieler verkauft.
Die Verantwortlichen sollten es sich andererseits nicht so leicht machen und sich dahinter verstecken, dass man mit einer juvenilen, ja naiven Truppe an den Start geht und sich in einem (offenbar) fortwährenden Entwicklungsprozess befinde. Es gibt ein paar handfeste Themen, die sie anpacken müssen. Die Antwort auf eine Flut an Gegentoren kann nicht lauten: Einfach weiter so, wird schon werden. Hauptsache wir bleiben mutig, gehen vorne drauf und spielen schön nach vorne. Das ist blauäugig. Es bedarf einiger Anpassungen. Und sie lässt sich nicht nur mit Unerfahrenheit erklären. Klar, junge Spieler schwanken in ihren Leistungen, aber es wackeln auch gestandene Leitfiguren wie Arthur Theate oder Robin Koch bedenklich. Sie müssen zu Festigkeit zurückfinden. Denn Stabilität ist ein hohes Gut, sie garantierte den Einzug in die Champions League. Jetzt bröckelt sie. Das ist, so alles in allem, gar nicht gut.