Der Millionenmann: Vasilje Micic. © IMAGO
München – Die Zeichen der gar nicht mehr so neuen Zeit, waren gleich in der ersten Euroleague-Woche zu sehen. Efes Istanbul etwa, Ex-Champion aus der Türkei musste für seine beiden Heimspiele dieser Woche auf Reisen gehen. Die Auftritte der israelischen Vertreter Maccabi und Hapoel Tel Aviv in der türkischen Metropole wurden von den Machern der Euroleague als zu riskant erklärt. Neue Heimstätte: Podgarica in Montenegro.
Gleiches gilt für die Partien in Israel selbst. Serienmeister Maccabi trägt seine Heimspiele auch weiterhin in Belgrad aus. Neueinsteiger Hapoel hat in Sofia sein Ausweichquartier aufgeschlagen. Beide Teams hatten im Sommer um die Rückkehr nach Israel gebeten. Doch die Euroleague votierte aufgrund der politischen Lage dagegen. „Sicherheit geht vor“, sagte Euroleague-Sprecher Diego Fernandez.
Doch es deutet sich an, dass sich zumindest Neueinsteiger Hapoel gegen diese Handicaps unabhängig macht. Und das hat vor allem mit Clubchef Ofer Yanai zu tun. Der schwerst reiche Energieunternehmer hat viele Millionen in sein Spielzeug gepumpt. Dem Vernehmen nach steht Hapoel direkt in einer Reihe mit den Finanz-Großmächten wie Real Madrid oder Panathinaikos Athen. Mit diesen Millionen machte Yanai zahlreichen Topspielern der Szene die Unterschrift schmackhaft. Alleine der aus der NBA zurückgelotste Vasilije Micic – zu Beginn seiner Karriere auch schon in München aktiv – soll pro Jahr sechs Millionen Euro einstreichen. Zum Vergleich: Der Personaletat des deutschen Meisters FC Bayern ist zwar offiziell unbekannt. Doch auch die optimistischsten Schätzungen gehen von nicht mehr 15 bis 16 Millionen Euro aus.
Und dabei haben die Münchner auch noch mit der höchsten Steuerlast der Königsklasse zu tun. Ein Gehaltsmillionär kostet den FC Bayern mehr als das doppelte. Vergleichbar ist nur Israel, das zumindest für einheimische Spieler Steuersätze jenseits der 50 Prozent vorsieht.
Yanai stört das nicht. Dazu passt eine Anekdote aus dem vergangenen Sommer, als der streitbare Hapoel-Eigner den Machern von Roter Stern Belgrad nach einem Streit androhte, er werde das gesamte Roter-Stern-Team aufkaufen und an den Lokalrivalen Partizan Belgrad verschenken.
Klarer Fall: Yanai will mit Hapoel Tel Aviv nach dem kleineren Eurocup im Vorjahr nun auch die Euroleague im direkten Anlauf gewinnen. Einen Anfang hat seine namhaft besetzte Mannschaft in dieser Woche ja schon gemacht. Nach Siegen gegen den FC Barcelona und bei Efes Istanbul im Ausweichquartier Moraca in Podgirca ist Hapoel schon einmal Tabellenführer. RP