Diaz ließ Eintracht-Torhüter Santos bei seinem Torabschluss keine Chance. © Agüera/IMAGO
Der kolumbianische Angreifer machte nach seinem Doppelpack in Frankfurt vor Freude Luftsprünge. © Becker/IMAGO
Frankfurt – Blickt man auch die Statistik der vergebenen Großchancen in den ersten Spielminuten, könnte man meinen, Luis Diaz ein sei Urgestein im deutschen Fußball. 27. August in Wiesbaden: Im Pokalspiel gegen Wehen hätte der Kolumbianer nach zehn Sekunden treffen können – und vergab. 30. August in Augsburg: Diaz hatte in der ersten Minuten eine Chance, die man eigentlich nicht auslassen kann – und vergab. Für den Neuzugang war es am Samstag beim 3:0 (2:0) bei Eintracht Frankfurt also doppelt schön, dass der Ball nach 14 Sekunden im Netz zappelte. Der Blitz-Tor-Fluch war beendet – und die Bayern feierten den Mann des Tospiels.
„Wir müssen über Lucho sprechen“, sagte unter anderem Joshua Kimmich nach den 90 Minuten in Frankfurt, in denen die Mannschaft von Vincent Kompany den ultimativen Beweis für ihre neue Reife erbracht hatte. Das Kollektiv hatte funktioniert, gespickt mit den in Topform befindlichen Leistungsträgern aber ist dieses Team aktuell kaum zu bremsen. Diaz etwa steht nach sechs Bundesliga-Partien bei fünf Treffern und vier Assists, in Frankfurt trug er sich als Doppelpacker und Vorlagengeber in die Statistik ein. Dazu steht der Treffer nach 14 Sekunden als drittschnellster Bayern-Treffer der Liga-Geschichte: Nur Giovane Elber (1998/11 Sekunden) und Lothar Matthäus (1998/13 Sekunden) hatten bisher schneller eingenetzt.
Auch Diaz selbst wusste, dass er ein überragendes Spiel gemacht hatte, reden aber ließ er die anderen. Kompany etwa, der sagte: „Seine Aktivität und seine Energie passen sehr gut in die Mannschaft. Er ist immer involviert, immer da.“ Oder Max Eberl, der hinzufügte: „Das ist das, was wir uns von Luiz vorgestellt haben: Nach vorne Qualitäten zu haben, bestens zu harmonieren mit den anderen und nach hinten zu arbeiten.“ Schon in Liverpool habe er sein Können gezeigt. Dass er es nun im Trikot der Bayern „von Anfang an in der Durchgängkeit bringt, ist schon bemerkenswert“. So bemerkenswert, dass Bosse wie Mitspieler durchweg schwärmen – und Diaz selbst Dauer-Knipser Kane und Weltklassen-Techniker Michael Olise in den Schatten stellt.
Höchstleistung auch auf der Wiesn?
„Wenn man bedenkt, dass dies seine erste Saison und seine ersten Schritte in Deutschland sind, ist das beeindruckend“, sagte Kompany. Neues Land, neue Sprache: All das scheint dem 28-Jährigen nichts auszumachen. „Er war vom ersten Moment direkt da und Teil der Gruppe“, bestätigte auch Kimmich. Diaz helfe zudem nicht nur sportlich, sondern sei auch „eine Bereicherung in der Kabine“. Ein bisschen englisch, ein bisschen spanisch: Er ist so gut integriert, dass Kimmich auch beim Wiesn-Besuch „Höchstleistung“ erwartete.
Grund zum Feiern gab es für König Lucho, I. ja genug. Die Torbeteiligungen waren das Eine, auffallend aber ist tatsächlich, was wiederum Kimmich ansprach: „Er kann alle drei Tage 90 Minuten marschieren.“ Diaz besticht durch seine Physis, zudem hat er „eine gute Nase“. Zufall nämlich sei es nicht, „dass er immer wieder im gefährlichen Raum auftaucht“. In Wehen, in Augsburg, in Frankfurt. Und am besten auch in zwei Wochen – beim Clasico gegen Dortmund. Diaz‘ erstem, wohlgemerkt. Auch wenn es sich anders anfühlt.H. RAIF, M. BONKE