Los geht‘s: Marco Sturm in Boston. © Bennett/AFP
Boston – Eine Silbermedaille und viel Geduld – das war Marco Sturms Rezept auf dem langen Weg zum perfekten Arbeitsplatz. Der 47-Jährige ist in der heute beginnenden NHL-Saison erstmals Cheftrainer – und zwar der erste in Deutschland geborene Headcoach überhaupt.
Der frühere Stürmer hat, als erst vierter europäischer Cheftrainer in der 108-jährigen Geschichte der besten Eishockeyliga der Welt, einen anspruchsvollen Job. Bei den Boston Bruins, die 2011 zum sechsten und bislang letzten Mal den Stanley Cup holten und vor zwei Jahren noch das beste Team der Hauptrunde stellten, muss er den Umbruch einleiten und moderieren; ein Playoff-Platz ist eher unrealistisch.
Dennoch sagt der Ex-Bundestrainer: „Es ist für mich der geilste Job in der Stadt.“ Sturm kennt Boston, als Spieler erlebte der Niederbayer zwischen 2005 und 2010 seine erfolgreichste Zeit bei den Bruins, war in zwei Spielzeiten der beste Torjäger des Clubs. Deshalb weiß er, wie wichtig Eishockey für die Stadt ist: „Wenn es gut läuft, bist du der King. Das es geklappt hat, ist der Wahnsinn.“
Genauso unglaublich, wie seine zweite Karriere überhaupt begann. 2015, als die Nationalmannschaft am Boden lag, rief ihn DEB-Präsident Franz Reindl in Florida an. Der Trainerneuling Sturm lüftete kräftig durch, brach verkrustete Strukturen auf und führte die DEB-Auswahl wieder ins WM-Viertelfinale – und 2018 sensationell zu Olympiasilber. Als er aus Südkorea heimkehrte, „klingelte schon öfter das Telefon“. Auch die NHL zeigte Interesse. „Jeder hat mitbekommen, was ich geleistet habe.“
Sturm wechselte Ende des Jahres zu den Los Angeles Kings, arbeitete dort fast sieben Jahre lang als Co-Trainer und Chefcoach des Farmteams in der unterklassigen AHL. Trotz der langen Wartezeit verlor er nie den Glauben an seine Chance. Und jetzt ist sie da, lacht Sturm: „Timing ist heutzutage alles.“SID