Die Schnellste: Klug war Riesenslalom-Ass. © EIBNER
Die stärkste Frau? Kiara Klug heute.
Berlin – Der Traum von Olympia begann für Kiara Klug auf zwei Brettern im Schnee. Als Kind jagte sie die Hänge hinunter und galt als verheißungsvolles Talent. Statt Stöcken und Ski hält sie nun Hantelstangen in den Händen – Olympia hat sie weiter fest im Blick.
„Ich träume, seitdem ich ein kleines Kind bin, davon, an Olympischen Spielen teilzunehmen“, sagt Klug und fügt nach einer kurzen Pause an: „Eigentlich im Wintersport.“ Die 22-Jährige ist eines der neuen Gesichter im deutschen Gewichtheben, die bei den am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaften im norwegischen Førde dabei sind.
Klugs Laufbahn ist schon jetzt besonders. In der Saison 2016/2017 wurde die gebürtige Kemptenerin als Skirennfahrerin deutsche Meisterin im Riesenslalom in der U14. Doch Ende 2020 beendete sie ihre Karriere als Skirennfahrerin. „Ich hatte eine mentale Krise und Sinneskrise verbunden mit einer Essstörung und verbunden mit einem Trainer, bei dem die Chemie nicht gestimmt hat.“ Sie habe sich dadurch „selbst kaputt gemacht“, sagt Klug.
Nach dem mentalen Tief wurde der Kraftraum zu Klugs sportlichem Wohnzimmer. „Es war keine leichte, aber die richtige Entscheidung.“ Klug feierte im April gleich bei der ersten großen Meisterschaft im Erwachsenenbereich ihre ersten großen Erfolge im Gewichtheben: Zweimal Silber im Reißen sowie im Zweikampf, einmal Bronze im Stoßen gewann sie bei den Europameisterschaften in Moldau in der Klasse über 87 Kilogramm. Für die WM steckt sie sich bescheidenere Ziele – noch. „Mein Ziel ist eine Platzierung in den Top-Ten“, erklärt die Athletin, die erst am 11. Oktober und damit am letzten WM-Wettkampftag ins Geschehen eingreift.
Die WM ist für sie, wie für den zuletzt so sehr kriselnden deutschen Verband ein Zwischenziel. Klug träumt von einer Medaille, vom Titel der stärksten Frau der Welt. Auch vom Doping-Problem der Sportart lässt sie sich nicht bremsen. „Ich werde mindestens alle drei Monate kontrolliert. Ich kann mit bestem Wissen und Gewissen sagen, dass ich sauber bin.“ Sie betont, sie werde lieber aufhören als zu verbotenen Mitteln zu greifen.
Doch für Kiara Klug fehlt dem deutschen Gewichtheben auch eine Heldenfigur. Ein Matthias Steiner, der 2008 in Peking Gold holte und mit der Geschichte seiner, bei einem Autounfall verstorbenen Ehefrau für Rührung sorgte. „Warum wird die Geschichte jedes Mal bei Olympia ausgepackt? Weil man natürlich diesen Sieg hat, aber man hat eben auch eine Geschichte zu diesem Sieg“, sagt Klug.
Vielleicht ist sie ja die nächste deutsche Gewichtheberin, die bei Olympia eine Geschichte zu erzählen hat.DPA